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April 25, 2018, 03:58:53 PM

Author Topic: Germany, Eifel, Bergbaumuseum Mechernich  (Read 63 times)

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Frank de Wit

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Germany, Eifel, Bergbaumuseum Mechernich
« Reply #1 on: January 29, 2012, 04:08:13 PM »
Bergbaumuseum Mechernich
Virginia Schacht
http://www.bergbaumuseum-mechernich.de/
(https://www.mindat.org/loc-17614.html)

Bleibergstraße 6, 53894 Mechernich, Eifel, Germany



Mittelalter

Im Mittelalter sprachen die Landesherren jedem, der es begehrte, das Recht zum Bergbau zu. Der Bergbaubetreiber - “Eigenlöhner” - war dem Landesherren gegenüber abgabenpflichtig. Vom Beginn der urkundlich belegten Zeit bis zur französischen Besitzergreifung unterstand der Mechernicher Bleiberg hoheitsrechtlich verschiedenen Landesherren. Das Hauptgebiet lag in der Baronie Kommern, Landesherr war Herzog von Arenberg. Der westliche Teil des Bleiberges mit Kall, Keldenich und Dottel gehörte zum Herzogtum Jülich. Kleinere Teile bei Kallmuth gehörten zu Kurköln, der östliche Teil mit Mechernich gehörte den Herren von Blankenheim und Nesselrode-Reichenstein. Keiner der Landesherren beteiligte sich aktiv und auf eigene Rechnung an der Erzgewinnung.

Die eigentliche Blüteperiode des Bergbaus am Bleiberg setzte ab Mitte des 15. Jahrhunderts ein. Ursache war die Erfindung eines einfachen aber effektiven Aufbereitungsgerätes, des Beutelkorbes. Damit war bereits am Gewinnungsort eine Teilaufbereitung möglich und es mußte nicht das gesamte gelöste arme Erz zutage gefördert werden. Der Beutelkorb ist ein Handsieb ovaler Form, ca. 45 cm lang, ca. 30 cm breit und ca. 25 cm tief. Er bestand aus einem soliden Holzgestell mit Bügelgriff. Der im Gestell gelagerte Korb war aus dünnen Weidenruten oder aus Messingdraht so dicht geflochten, daß nur der lose, feine Sand durch die Maschen ging, die gröberen Bestandteile - Bleierzknotten -, etwa 1 - 4 mm Korngröße, blieben im Sieb zurück. Der Beutelkorb wurde noch bis in die 2, Hälfte des 19. Jahrhundert verwendet.

15. Jahrhundert

In der Zeit von 1470 bis 1530 weitete sich der Knottenbergbau, als Eigenlöhnerbergbau betrieben, allmählich über die gesamte Fläche des Bleibergs von Mechernich bis Kall aus. Reifenschächte von wenigen Metern Teufe (Tiefe) wurden bis in die Lagerstätte geteuft, und dann als Weitungsbaue betrieben. Der Knottensandstein wurde mit Wolf - das ist ein etwa 25 cm langer und ca. 8 cm breiter schlanker Eisenkeil - und dem Berghammer gelöst, zerkleinert und vor Ort im Beutelkorb gewaschen. Die so gewonnenen gereinigten Knotten wurden in Gefäßen mit einem Haspel an die Tagesoberfläche gefördert.

Wegen der völligen Bergfreiheit war der Bergbau unreguliert. Jeder teufte, wo er wollte - auf eigenen, gepachtetem oder freiem Grundstück - sein Schächtchen auf die Knottenschichten ab, gewann hier sein Erz so gut und so lange er konnte und zahlte dem Landesherrn sein Zehnt.

Zur Beseitigung des regellosen Erzschürfens und zum Schutz der Lagerstätten wurden jedoch schließlich von den Landesherren strenge Bergordnungen herausgegeben. Für den Arenberg’schen Besitz, der den Hauptteil des Bleibergs ausmachte, wurde die erste Bergordnung im Jahre 1578 verfügt. In dieser Bergordnung wurden die Hoheitsrechte formuliert. Die Verordnung wurde 1688 erneuert und 1778 neu gefaßt. Der Eigenlöhnerbergbau wurde gebilligt. Es wurden Felder verliehen. Jeder Einzelne erhielt höchstens sechs runde oder quadratische Felder von ca. 2,5 m Durchmesser oder 1,7 m Seitenlänge. Die Bergordnung legte Einzelheiten der Gewinnung fest, schloß Sicherheitsvorschriften, Schadenregulierungen, Maßnahmen zur Verhinderung des Raubbaues und eine Bergaufsicht ein.

16. Jahrhundert

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts geriet der Bergbau ins Stocken, da das Grundwasser den Abbau der tieferen Flöze behinderte. Die Eigenlöhnerbetriebe kamen nacheinander zum Erliegen, denn zur Entwässerung mußte ein Entwässerungsstollen aufgefahren werden. Dazu fehlten den Eigenlöhnern Kapital, Unternehmungsgeist und technisches Können.

Als im Jahre 1629 drei Großkaufleute (Johann Meinertzhagen, Dietrich Rath aus Köln und Bartholomäus Brüggen aus Aachen), unter der Führung von Johann Meinertzhagen aus Köln beim Bergmeister in Kommern um eine Berechtigung zum Stollenbau auf eigene Kosten und Risiko nachsuchten, trat ein grundlegender Wandel ein. Der Lehensbrief, am 23. Dezember 1629 in Brüssel ausgestellt, berechtigt die “Gesellschaft Meinertzhagen”, einen Stollen zu treiben und das durch diese Maßnahme entwässerte Erz in einem unvermessenen Feld in der “Herrschaft Kommern” unter Zahlung des Zehnten an den Fürsten zu gewinnen.

Der erste Wasserlösungsstollen wurde 1630 am Ufer des Bleibachs östlich von Roggendorf angesetzt und durch erfahrene auswärtige Bergleute in südlicher Richtung in den Berg vorgetrieben. Er traf bald gute Erze an, erreichte nach 20 Jahren eine Gesamtlänge von 1.750 m und wurde trotz seine hohen Gesamtkosten (164.000 Taler) ein voller wirtschaftlicher Erfolg.

In der Folge kam es zu Streitigkeiten mit den Eigenlöhnerbergleuten, da diese sich aus den ergiebigen Distrikten der Lagerstätte verdrängt sahen. Durch Gerichtsverfahren wurde ohne Erfolg versucht, die Streitigkeiten zu beenden. Es hatte zur Folge, daß bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts der Bergwerksbesitz stark aufgesplittert war. Das größte Unternehmen blieb das der Familie Meinertzhagen, die im Jahre 1720 durch Ausscheiden der mitbegründeten Familien in den Alleinbesitz des Unternehmens geraten war. Es folgten mehrere Änderungen in den Besitzverhältnissen, auf die hier jedoch nicht eingegangen werden kann.

Aufgrund der Erfolge mit dem neuen Stollen wurde 1690 ein zweiter Stollen, 17,5 m tiefer, ebenfalls am östlichen Bleibachufer angesetzt. Dieser machte weitere ausgedehnte Teile der Lagerstätte abbaubar. Der neue Stollen hatte den Nachteil, daß er wegen schlechter Gebirgsverhältnisse über ca. 1.000 m Länge mit Holz ausgebaut werden mußte. Das hatte hohe Unterhaltungskosten zur Folge. Im Jahre 1756 wurde daher ein dritter Stollen, der Elisabeth-Stollen, direkt im Bleibachtal bei Roggendorf in Angriff genommen. Mit 2,7 km Länge entwässerte er über 100 Jahre den größten Teil des Meinertzhagen'schen Lagerstättenbesitzes.

18. Jahrhundert

Nach der französischen Invasion im Jahre 1793 wurde durch einen Machtspruch Napoleons vom 13. November 1805 die Konzessionsverteilung am gesamten Bleiberg auf der Basis des französischen Bergrechts neu geregelt und dadurch die extremere Verzettelung des Lagerstätteneigentums, allerdings auf Kosten der Rechte der Eigenlöhner, eingedämmt. Unter französischer Herrschaft entwickelte sich der Bleiberg zur ergiebigsten Bleierzlagerstätte des neuen Kaiserreiches. Die Zahl der Arbeiter, die vor der Regulierung 400 Beschäftigte betrug, stieg auf 1.500 im Jahre 1807 und auf fast 2.000 im Jahre 1812. Infolge der Kontinentalsperre erhöhten sich die Bleipreise um mehr als das Dreifache und dementsprechend die Gewinne der Bergbautreibenden.

Die seit Jahrhunderten im Bleibachtal angesammelten, zum Teil bachabwärts (mehr als 30 km) verschwemmten Sandrückstände enthielten wegen der unzureichenden Aufbereitungstechnik noch erhebliche Erzanteile. Diese wurden vielfach neu ausgewaschen und Bleikonzentrate (Bacherze) mit 30 - 50% Pb daraus gewonnen. Im Jahre 1806 befanden sich am Bleibach bis 5 km nordwestlich von Euskirchen mehr als 500 Erzsandwäschen.

Im Jahre 1807 wurde mit der Auffahrung des Burgfeyer Stollens in der Konzession Günnersdorf im Veybachtal begonnen. Er wurde unter die Tagebaue Günnersdorf und Bachrevier geführt und bis zum Virginia-Schacht getrieben, den er im Jahre 1875 bei einer Streckenlänge von 5.284 m erreichte. Weiter vorgetrieben bis zum Durchschlag mit dem Schafbergschacht erreichte er im Jahre 1870 eine Länge von 7.450 m und wurde zum wichtigsten Wasserlösungsstollen des gesamten Bleibergs.

Ab dem 19. Jahrhundert

In der Konzession Günnersdorf wurde ein Tagebau im Bezirk der Peterheide entwickelt. Infolge der weniger mächtigen Überdeckung und der geringeren Festigkeit der Deckgebirgs- und Erzschichten waren hier die Abbaubedingungen sehr günstig. Der Tagebau stand zunächst in den Jahren 1853 bis etwa 1880 in Betrieb und wurde 1900, nach der Übernahme durch den Mechernicher Bergwerksaktienverein, intensiv weiter vergrößert. Die Bleierzlagerstätte Günnersdorf ist durch diese Anlage, die 1931 aufgegeben wurde, fast vollständig abgebaut. Die Gewinnung tiefer liegender Resterze östlich des Tagebaues erfolgte erst in den Jahren 1940 bis 1943 vom neu abgeteuften Schacht Günnersdorf aus.

Infolge der für den Metallerzbergbau in den zwanziger Jahren allgemein schwierigen Lage wurde das Mechernicher Werk ab 1928 vor allem aus sozialpolitischen Gründen vom Staat subventioniert. Ab 1934 erfolgten die Subventionen im Förderprämienverfahren. Die gezahlten Beträge reichten allerdings für die erforderliche Verbesserung der Anlagen bei weitem nicht aus. Eine großzügige Modernisierung der Betriebe war jedoch zwingende Voraussetzung für eine wesentliche Steigerung der Produktion und der Senkung der Selbstkosten.

Die Abhängigkeit des Bleipreises von der Nachfrage, der politischen Weltlage und damit von den Weltmarktpreisen, waren stets für das Wohlergehen des Mechernicher Bleibergbaus maßgebend.

Am 1.1.1937 übernahm auf Veranlassung des Reichswirtschaftsministeriums die Preussag die Mechernicher Betriebe. Es folgte eine kurze Aufbauperiode. Diese wurde durch den Krieg unterbrochen. Als am 31. Januar 1945 infolge der Kampfhandlungen die Stromerzeugung ausfiel, kam der Betrieb zum Erliegen und lag 3 Jahre still. Mit Sümpfung der Grube ab 16. Oktober 1947 begann der Wiederaufbau, der 1953 im wesentlichen abgeschlossen war.

Am 8. März 1950 und am 14. März 1951 behinderten zwei schwere Erdbeben den Wiederaufbau. Dabei ging der Burgfeyer Stollen als zentraler Wasserhaltungsstollen zu Bruch, die Grubenwässer stiegen im Grubengebäude an und binnen 8 Tagen mußte im Virginia-Schacht eine Ersatzwasserhaltung mit einer Leistung von ca. 25 m3/min eingerichtet werden.

Die zurückgehenden Reserven im Ostfeld, bei gleichzeitiger Verschlechterung des durchschnittlichen Metallgehaltes des Fördererzes steigerten das Interesse am noch uverritzten Westfeld. Wegen der für einen Tiefbau ungünstigen Lagerungsverhältnisse wurde ein Tagebauprojekt entwickelt. Bei einer Überdeckung von ca. 90 m und dem Verhältnis Abraum : Erz = 2 : 1 hätte dieser Aufschluß erhebliche Investitionen erfordert. Die wirtschaftliche Situation des Unternehmens verschlechterte sich gerade in dieser kritischen Zeit durch erhöhte Arbeits- und Sachkosten, sowie insbesondere durch einen extremen Rückgang der Weltmarktpreise für Blei. Ab Frühjahr 1957 sank der Bleipreis gegenüber 1956 um 40%. Unter diesen Voraussetzungen war auch im geplanten Westfeld ein wirtschaftlicher Bergbau nicht möglich. Die Gewerkschaft Mechernicher Werke beschloß daher im Herbst 1957, den gesamten Bergwerksbetrieb zum Jahresende 1957 einzustellen.

http://www.bergbaumuseum-mechernich.de/info_service/geschichte/ab-dem-19-jahrhundert