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                     Achondrite   -   Fotos und Klassifikation


             Primitive Achondrite: Acapulcoite, Lodranite, Winonaite, Brachinite,
                         Metachondrite, ungruppierte primitive Achondrite



ACHONDRITE

Primitive Achondrite
PAC-Gruppe

Differenzierte Asteroidale Achondrite

Vesta Meteorite
HED-Gruppe

Mars Meteorite
SNC-Gruppe

Lunare Meteorite
LUN-Gruppe
Achondrite sind eine sehr heterogene Klasse von Steinmeteoriten, die keine Chondren aufweisen. Sie stammen von differenzierten Körpern auf denen es durch Schmelzprozesse zu einer Trennung von Kern und Mantel gekommen ist.
Den Übergang zwischen den undifferenzierten Chondriten und den differenzierten Achondriten stellen die Primitiven Achondrite (PAC) dar: Acapulcoite, Lodranite, Winonaite, Brachinite und Metachondrite. Ihr Chemismus entspricht etwa dem der Chondrite, jedoch wurde die chondritische Textur durch teilweises Schmelzen oder Metamorphose komplett oder nahezu komplett überprägt. Reliktische Chondren können bei einigen Vertretern jedoch noch vorhanden sein. Primitive Achondrite stammen von kleineren Asteroiden, die recht schnell abgekühlt sind, ohne dass eine vollständige Differentiation erfolgte.

Die differenzierten Achondrite stammen von mittelgroßen bis großen Asteroiden (wie z.B. Vesta), anderen Planeten (Mars und eventuell Merkur) oder dem Erdmond.
Etwa 7,8 % der Meteoritenfälle sind Achondrite.





      Primitive Achondrite: Acapulcoite, Lodranite, Winonaite, Brachinite, Metachondrite


Acapulcoite und Lodranite
Acapulcoite werden nach dem Fall 1976 bei Acapulco, Mexico und die Lodranite nach dem Fall von 1868 bei Lodran, Punjab, Pakistan benannt. Acapulcoite und Lodranite stammen wahrscheinlich von einem Körper, einem kleinen S-Typ Asteroiden. Die Meteorite repräsentieren eine extrem primitive, durch partielle Differentiation entstandene Gruppe. Sie bestehen aus feinkörnigem Olivin, Orthopyroxen, Plagioklas, Ni-Fe-Metall und Troilit. Reliktische Chondrulen können vorhanden sein. Lodranite sind etwas grobkörniger (0.5 - 1.0 mm) und bei höheren Temperaturen entstanden als Acapulcoite (0.2 - 0.4 mm Korngröße). Sie dürften deshalb aus tieferen Bereichen des Mutterkörpers stammen, wo sie stärker aufgeheizt wurden und langsamer abkühlten. Auf Grund ihren z.T. relativ hohen Metallgehaltes wurden Lodranite früher bei den Stein-Eisen-Meteoriten eingeordnet. Acapulcoite und Lodranite sind sehr selten.

Die Gruppe der Acapulcoite und Lodranite lässt sich unterteilen in (s. Homepage von David Weir):
Primitive Acapulcoites ("AL Chondrites")
Typical Acapulcoites
Transitional Acapulcoites
Lodranites
Enriched Acapulcoites


    Acapulco.  Primitiver Achondrit, Acapulcoit.

Meteorit Acapulco.
Primitiver Achondrit, Acapulcoit.

Fall 11. August 1976. El Quemado Colony, Acapulco, Guerrero, Mexico. TKW 1914 g.

Der Meteorit Acapulco, der Namensgeber für die Acapulcoit-Gruppe, zeigt bei den Hauptelementen eine chemische Zusammensetzung, die in das Feld der H-Chondrite fällt. Chalcophile Elemente sind jdoch verarmt und Cr, P sowie U angereichert. Acapulco weist eine equigranulare Textur auf, Chondren sind nicht mehr vorhanden. Der hohe Rekristallisationsgrad und die mineralogische Zusammensetzung weisen darauf hin, dass der Meteorit unter Redox-Verhältnissen zwischen denen von H- und E-Chondriten bei 1100°C entstanden ist und bei der Aufschmelzung eines chondritischen Mutterkörpers entstanden ist (Palme et al., 1981). Das Pb/Pb-Modellalter liegt bei 4,557 Mrd. Jahren (Göpel et al., 1992). Bis zu einer Temperatur von etwa 120°C ist das Material extrem schnell abgekühlt mit über 1000°C/Millionen Jahren (Min et al., 2003).


Acapulco. Fragment. Größe 2 x 1 mm, Gewicht 0,007 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 3305.  Primitiver Achondrit, Acapulcoit.

Meteorit NWA 3305.
Primitiver Achondrit, Acapulcoit.

Fund 2006 (2005 ?). Nordwest Afrika. TKW 82,1 g.

NWA 3305 enthält Olivin (Forsterit, Fa7.6-8.0) und Orthopyroxen (Enstatit, Fs8.7-9.3). Schockstadium S4. Vermutliches Pairing mit NWA 2656, 2714 und 2989.


NWA 3305. Kleine Vollscheibe. Größe 16 x 5 mm, Gewicht 0,18 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 2714.  Primitiver Achondrit, Lodranit.

Meteorit NWA 2714.
Primitiver Achondrit, Lodranit.

Fund 2004. Nordwest Afrika (Marokko oder Algerien). TKW 1656 g.

Das Material weist eine polygonal-granulare Textur aus bis etwa 1 mm großen Körnern von Forsterit (Fa 8.1), Enstatit (Fs 8.6) und Albit (An 22.2) auf. Weiterhin sind Kamacit in Körnern und dünnen Adern und etwas Chromit vorhanden. Ursprünglich als Acapulcoit klassifiziert (Meteoritical Bulletin Database), 2007 auf Grund der Korngröße reklassifiziert als Lodranit. Schockstadium S1, Verwitterungsgrad W3/4.


NWA 2714. Endstück. Größe 26 x 16 mm, Gewicht 3,9 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 4478.  Primitiver Achondrit, Lodranit.

Meteorit NWA 4478.
Primitiver Achondrit, Lodranit (brekziiert).

Fund September 2006. Algerien. TKW 444 g (2 Steine).

Es handelt sich um einen brekziierten Lodraniten, der aus bis mehrere Millimeter großen Mineralkörnern und polykristallinen Klasten in einer feinkörnigen Matrix besteht. Die Mineralkörner bestehen entweder aus Forsterit (Fa 10.6-10.9) oder Orthopyroxen (Enstatit) mit Clinopyroxen-Entmischungslamellen. Die polykristallinen Klasten enthalten Olivin, Ortho- und Clinopyroxen, Chromit, Kamacit, Pyrrhotin, Pentlandit und Troilit. Die Matrix wird aus den gleichen Phasen aufgebaut. NWA 4478 ist der erste bekannte brekziierte Lodranit. Er gilt als Beleg, dass auf dem Acapulcoit-Lodranit-Mutterkörper ein Regolith vorhanden ist.


NWA 4478. Teilscheibe. Größe 19 x 17 mm, Gewicht 2,078 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 5981.  Primitiver Achondrit, Lodranit.

Meteorit NWA 5981.
Primitiver Achondrit, Lodranit (brekziiert).

Fund 2009. Nordwest-Afrika. TKW 243 g.


NWA 5981. Vollscheibe. Größe 64 x 45 mm, Gewicht 12,3 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 10265.  Primitiver Achondrit, Lodranit.

Meteorit NWA 10265.
Primitiver Achondrit, Lodranit.

Fund 2015. Nordwest-Afrika. TKW 3,36 kg (7 Steine).

Der Lodranit NWA 10265 enthält große, grüne, Chrom-haltige Pyroxenkristalle, gelbbraunen Olivin und Fe-Ni-Metall. Bei dem Pyroxen handelt es sich um einen Clinopyroxen (Fs4.1-4.6Wo42.7-44.0, Cr2O3 = 1.1-1.3 wt.-%), der in das Feld von Augit fällt, dicht an der Grenze zum Diopsid. Er weist Entmischungslamellen von Orthopyroxen (Enstatit, Fs9.7-10.6Wo0.9-2.3). Der Olivin weist forsteritische Zusammensetzung auf (Fa11.0-11.2). Bei dem Meteoriten handelt es sich um einen wehrlitischen Lodranit. Das Schockstadium ist niedrig, der Verwitterungsgrad ist ebenfalls niedrig.


NWA 10265. Vollscheibe. Größe 54 x 37 mm, Gewicht 9,83 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



Winonaite
Winonaite stellen eine kleine Gruppe von Meteoriten dar, deren Gesamtchemismus und Mineralogie im Wesentlichen mit den Chondriten übereinstimmt. Es handelt sich um feinkörnige, überwiegend aus Pyroxen und untergeordnet aus Mg-reichem Olivin, Troilit und Ni-Fe-Metall bestehende Gesteine. Einige primitive Winonaite enthalten reliktische Chondren und wurden als metamorpher Typ 5 (z.B. NWA 1463) oder 6 eingestuft. Winonaite werden deshalb von einigen Autoren auch als Metachondrite oder W-Chondrite bezeichnet. Die Chemie und das Sauerstoffisotopenmuster setzen Winonaite in Beziehung zu Silikateinschlüssen in IAB Eisenmeteoriten. Wahrscheinlich stammen beide von einem Mutterkörper.
Winonaite haben eine thermische Metamorphose und eine intensive Brekziierung durch Impakte erfahren. Ob es durch die Metamorphose schon zur Bildung erster Schmelzen und eventuell zu einer partiellen Differenzierung kam, ist Gegenstand verschiedener Theorien. Untersuchungen zur Spurenelementverteilung lassen annehmen, dass es eher zur Äquilibrierung von Mineralen mit heterogener Zusammensetzung als zur Bildung partieller Schmelzen aus einem homogenen Material gekommen ist. Die Bildung von Ni-Fe-Metall- / Sulfidschmelzen sowie von Plagioklas-Clinopyroxen-reichen Lithologien (z.B. in dem Winonaiten Pontlyfni) ist wahrscheinlich auf impaktbedingte Schmelzprozesse zurückzuführen. Lediglich eine grobkörnige Olivin-reiche Lithologie ist ein Hinweis, dass es in einigen Bereichen des Winonait-Mutterkörpers zu partiellen Aufschmelzprozessen vor der Impakt-Brekziierung gekommen ist (Floss et al., 2008).
Die Gruppe der Winonaite lässt sich unterteilen in (s. Homepage von David Weir):
Primitive Winonaites ("W Chondrites")
Typical Winonaites
Evolved Winonaites


    NWA 516.  Primitiver Achondrit, Winonait.

Meteorit NWA 516.
Primitiver Achondrit, Winonait, primitiv.

Fund 2000. Nordwest-Afrika. TKW 68 g.

Bei dem Meteoriten NWA 516 handelt es sich um einen primitiven Winonait, sehr ähnlich Pontlyfni. Die texturellen Eigenschaften primitiver Winonaite weisen darauf hin, dass es sich um stark metamorphe Chondrite handelt. Der Fayalit-Gehalt im Olivin von NWA 516 ist sehr niedrig, die Zusammensetzung liegt sehr dicht am Forsterit-Endglied (Fa1,1). Er ist damit niedriger als bei typischen Winonaiten. Zum Pyroxen-Chemismus liegen keine Daten vor. Schockstadium S2, Verwitterungsgrad W3.
Für den sehr ähnlichen Pontlyfni wurde ein Kristallisationsalter von 4,538 Milliarden Jahren festgestellt.


NWA 516. Fragment. Größe 3,5 x 3 mm, Gewicht 0,07 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 1058.  Primitiver Achondrit, Winonait.

Meteorit NWA 1058.
Primitiver Achondrit, wahrscheinlich Winonait, primitiv.

Fund 2001. Nordwest-Afrika. TKW 180 g.

NWA 1058 wurde ursprünglich als Acapulcoit angesehen, jedoch zeigten chemische Analysen und Untersuchungen der Sauerstoffisotopen-Zusammensetzung, dass er eher zu den Winonaiten zu stellen ist. Mit 38,2 Millionen Jahren ist das CRE-Alter auch signifikant höher als das aller bekannten Acapulcoite. NWA 1058 ist jedoch reicher an 16 O als die meisten Winonaite.
Der Meteorit weist zahlreiche reliktische Chondren auf und entspricht einem petrologischen Typ 5 oder 6 bei den Chondriten. Der Meteorit repräsentiert deshalb eher regolithisches Material vom Winonait-Mutterkörper. Pairing: NWA 725, NWA 1052, NWA 1054 und NWA 1463. Verwitterungsgrad W2-3 (Irving & Rumble, 2006).


NWA 1058. Teilscheibe. Größe 11 x 4,5 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    Winona.  Primitiver Achondrit, Winonait.

Meteorit Winona.
Primitiver Achondrit, Winonait, typisch.

Fund 1928. Elden Pueblo, Winona, Coconino County, Arizona, USA. TKW 24 kg.

Der Meteorit wurde 1928 bei archäologischen Ausgrabungen im prähistorischen Elden Pueblo bei Winona gefunden. Die Siedlung wurde zwischen etwa 1070 und 1275 von dem als Sinagua bekannten indianischen Volk bewohnt. Der Meteorit fand sich im Boden unter einem Raum, begraben in einer Steinkiste. Der Fund weist darauf hin, dass der Meteorit als ein heiliges Objekt betrachtet wurde, wahrscheinlich nachdem sein Fall beobachtet wurde.
Der Winona Meteorit besteht überwiegend aus gleichkörnigem Enstatit (Fs6), Forsterit (Fa5), Albit (An10) und Troilit. Die chemische Zusammensetzung entspricht etwa der von Chondriten. Das Kristallisationsalter liegt bei 4,45 Milliarden Jahren.


Winona. Fragment. Größe 4 mm, Gewicht 0,05 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 4024.  Primitiver Achondrit, Winonait.

Meteorit NWA 4024.
Primitiver Achondrit, Winonait.

Fund August 2005. Nordwest Afrika. TKW offiziell 38,1 g, vermutlich ca. 500 g.

Der Meteorit ähnelt verschiedenen Eisenmeteoriten mit Silikateinschlüssen, speziell besteht eine enge Beziehung zu IAB Meteoriten. Die Silikatphase besteht überwiegend aus einem Ca-armen Pyroxen (Fs 6,1), daneben sind Ca-reicher Pyroxen, Forsterit (Fa 4,2) und Plagioklas (An 11) vorhanden. Die Metallphase zeigt Widmannstättensche Figuren. Die Unterscheidung zwischen eisenreichen Winonaiten und silikatreichen Eisenmeteoriten ist problematisch und z.T. umstritten.
Untersuchungen von Wolfram-Isotopen ergaben ein Alter von 4,553 Milliarden Jahren, das wahrscheinlich das Ende der Metall-Silikat-Equilibrierung während der Abkühlung des Winonait-Mutterkörpers repräsentiert oder möglicherweise auch das Datum einer durch einen Impakt ausgelösten Re-Equilibrierung. Das Ereignis liegt damit rund 14 Millionen Jahre nach der CAI-Bildung.


NWA 4024. Endstück. Größe 20 x 9 mm, Gewicht 2,37 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 6187.  Primitiver Achondrit, Winonait.

Meteorit NWA 6187.
Primitiver Achondrit, Winonait.

Fund 2009. Nordwest Afrika. TKW 20 g.




NWA 6187. Teilscheibe. Größe 25 x 18 mm, Gewicht 2,204 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 13624.  Primitiver Achondrit, Winonait.



Meteorit NWA 13624.
Primitiver Achondrit, Winonait.

Fund 2020. Nordwest Afrika. TKW 1161 g.

Der Meteorit weist eine rekristallisierte Textur auf und besteht hauptsächlich aus 100 bis 300 Mikrometer messenden Körnern von Enstatit (Fs3.8-4.0Wo1.7-1.9), Fe-armen Forsterit (Fa3.2-3.4), Augit (Fs1.0-1.4Wo43.2-45.9) sowie etwas Albit (An22.6Ab74.9Or2.5). Chondren sind nicht vorhanden. 120 Grad Triple-junction-Korngrenzen sind häufig. Kamacit, Taenit und Troilit sind überwiegend fein verteilt in der Matrix. Nur selten finden sich größere Metallaggregate, die Widmannstättensche Figuren zeigen.
Im Anschliff in der Scheibe, aber nur undeutlich auf dem Foto ist zu sehen, dass es bis etwa 1,5 cm große poikilitische Kristalle gibt, wahrscheinlich Enstatit, die in die gleiche Richtung reflektieren und zahlreiche Einschlüsse kleiner Kristalle enthalten.


NWA 13624. Vollscheibe. Größe 86 x 61 mm, Gewicht 35,892 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.


unten:
Ausschnitt aus der Scheibe mit einem Metallaggregat mit Widmannstättenschen Figuren. Bildbreite 40 mm.



Ténéréite (oder eventuell CR-Metachondrite ?)
Nach den Sauerstoff-Isotopendaten gibt es neben den überwiegend dem petrologischen Typ 2 angehörenden CR-Chondriten auch einige stark metamorphe Exemplare. Hier sind die CR6 Chondrite NWA 2994 und NWA 3100 zu nennen, weiterhin die noch stärker metamorphen Meteorite Tafassasset und NWA 5131 sowie die NWA 011-Pairinggruppe, die als CR-Metachondrite angesehen wurden. Nach Wittke et al. (2011) weist die Existenz dieser Meteorite darauf hin, dass der CR-Mutterkörper zumindest einige Regionen mit extensiver thermaler Metamorphose aufweist. Nach spektroskopischen Untersuchungen könnte der Asteroid 1459 Magnya der Mutterkörper der NWA 011-Pairinggruppe sein. Der nur 30 km große Asteroid ist wahrscheinlich ein Rest eines größeren, differenzierten Körpers, der vor langer Zeit zerstört wurde.
Agee et al. schlugen 2020 für diese Meteorite dagegen eine neue Gruppe unter dem Namen Ténéréite vor, die wahrscheinlich nicht von dem CR-Mutterkörper, sondern von einem separaten Mutterkörper stammen. Die Sauerstoff-Isotopenwerte fallen zwar in das Feld der CR-Meteorite oder dessen Nähe, stellen aber wahrscheinlich einen eigenen Trend dar. Deutliche Unterschiede gibt es in petrologischen Parametern, wie z.B. dem Fe/Mn-Verhältnis in Olivinen.
Die den Ténéréiten zugerechneten Meteorite sind derzeit als CR6, CR7, ungruppierte primitive Achondrite oder ungruppierte Achondrite klassifiziert.
Analog zu den Winonaiten lassen sich drei Typen unterscheiden (siehe Agee et al., 2020, und Homepage von David Weir):
Primitive: NWA 7317 (und Pairings oder wahrscheinliche Pairings wie NWA 3250 und NWA 8548), NWA 3100;
Typical: Tafassasset, NWA 5131, NWA 12455 und andere;
Evolved: basaltisch, wie NWA 011 (und Pairings NWA 2400, NWA 2976, NWA 4587, NWA 4901), gabbroisch, wie NWA 6704.


    NWA 3250.   Ténéréit (oder Primitiver Achondrit, ungruppiert).

Meteorit NWA 3250.
 Ténéréit (oder Primitiver Achondrit, ungruppiert).

Fund 2005 oder 2006. Nordwest-Afrika. TKW 916 g.

Der Meteorit weist eine fein- bis mittelkörnige, unbrekziierte Textur auf. Er enthält 58 % Olivin (Forsterit, Fa29,6-30,2), 38 % Ca-armen Pyroxen (Enstatit), 1 % Plagioklas (An46,4-49,4 Or1,1-1,5), 2 % Taenit, 1 % Troilit und etwas Chromit. Die Isotopendaten liegen im d17O/d18O-Diagramm (Quelle: ebay-Auktion von diesem Exemplar) außerhalb der Bereiche anderer Meteorite.


NWA 3250. Teilscheibe. Größe 14 x 5 mm, Gewicht 0,4 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 8548.   Ténéréit (oder Primitiver Achondrit, ungruppiert).

Meteorit NWA 8548.
 Ténéréit (oder Primitiver Achondrit, ungruppiert).

Fund 2013. Nordwest-Afrika. TKW 245 g.

NWA 8548 enthält Metall und Sulfid in einer kristallinen, silikatischen Grundmasse. Sie besteht aus etwa 60 % Olivin (Forsterit, Fa38.0), etwa 40 % Ca-armen Pyroxen (Enstatit, Fs30.3 Wo3.4), und weist eine rekristallisierte, porphyroblastische bis poikilitoblastische Textur auf. Einige Bereiche sind klastisch bis brekziiert, andere sehen wie reliktische Chondren aus. Weiterhin ist Plagioklas (An50.3 Ab48.4 Or1.3) in etwa 20 Mikrometer großen Körnern, Ni-Fe-Metal, Sulfide und Chromit vorhanden.
NWA 8548 weist große Ähnlichkeiten zu NWA 3250 auf und ist möglicherweise ein Pairing, jedoch erscheint der Metallgehalt etwas höher und der Olivin ist etwas fayalitischer.


NWA 8548. Vollscheibe. Größe 39 x 29 mm, Gewicht 7,77 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 3100.  Ténéréit (oder Kohliger Chondrit, CR6, oder CR-Metachondrit).


NWA 3100. Kleine Teilscheibe. Größe 14 x 3,5 mm, Gewicht 0,16 g. Sammlung und
Foto Thomas Witzke.
Meteorit NWA 3100.
Ténéréit (oder Kohliger Chondrit, Renazzo-Gruppe, CR6 oder CR-Metachondrit).

Fund 2003. Marokko. TKW 136 g.

Der Meteorit ist weitgehend rekristallisiert und weist eine polygonal-granulare, feinkörnige (0,03 - 0,7 mm), metamorphe Textur auf. Er besteht zu 78 % aus Olivin (Forsterit, Fa28.7), 10 % Orthopyroxen (Enstatit Fs23.5Wo0.8), 5 % Plagioklas (Albit, An34.1Or3.1), 5 % Troilit, 1 % Ni-Fe-Metall und einigen Akzessorien. In dem Material finden sich vereinzelt reliktische Chondren. Die Sauerstoff-Isotopenwerte plotten auf einer Linie mit CR2-Chondriten wie NWA 801 und CR-Metachondriten (NWA 011, 4587 und Pairings). Das weist auf einen relativ großen CR-Mutterkörper mit substantiellem Metamorphismus und partieller Aufschmelzung hin.
Im Meteoritical Bulletin wird NWA 3100 als ungruppierter Primitiver Achondrit eingeordnet, neue Untersuchungen (Bunch et al., 2008) charakterisieren ihn als CR6. Nach Agee et al. (2020) gehört er zu der neu vorgeschlagenen Gruppe der Ténéréite.




    Tafassasset.  Ténéréit (oder Primitiver Achondrit, CR-Metachondrit).


Tafassasset. Teilscheibe. Größe 40 x 17 mm, Gewicht 3,4 g. Sammlung und Foto
Thomas Witzke.
Meteorit Tafassasset.
Ténéréit (oder Primitiver Achondrit, CR Metachondrit).

Fund 2003. Tenere Wüste, nördliches Niger. TKW 114 kg.

Tafassasset besteht überwiegend aus Forsterit sowie aus Enstatit mit Entmischungen von Clinopyroxen, Kamacit (ca. 10 %), etwas Plagioklas (Albit), Troilit und Chromit. Das Material ist stark metamorph überprägt. Vereinzelt sind reliktische Chondren vorhanden. Nach dem chemischen Analysen und Sauerstoffisotopendaten zeigt Tafassasset ein uneinheitliches Bild, was sich in Problemen mit der Klassifikation äußert. Die Sauerstoffisotopendaten entsprechen denen von CR-Chondriten. Im Vergleich zu der Zusammensetzung der CR-Chondrite ist Tafassasset jedoch fraktioniert, was bedeutet, dass die Metamorphose nicht isochemisch verlief. Dies könnte auf mobile wässrige Fluide zurückzuführen sein oder auf eine partielle Aufschmelzung. Nach anderen Untersuchungen ist auf Grund der Verhältnisse refraktärer Elemente eine Beziehung zu den CR-Chondriten nicht gegeben, statt dessen aber zu primitiven Achondriten, speziell den Brachiniten. Dagegen ordnen weitere Untersuchungen Tafassasset in die Verwandschaft der LL-Chondrite ein. Der Mutterkörper könnte aus FeO-reichem Material bestehen, das teilweise differenziert wurde und abkühlte, ohne eine Homogenität bei der Sauerstoffisotopie zu erreichen, und ist vermutlich in der gleichen Region wie der CR-Mutterkörper entstanden.
Nach Agee et al. (2020) gehört er zu der neu vorgeschlagenen Gruppe der Ténéréite.



    NWA 5131.  Ténéréit (oder Primitiver Achondrit, CR-Metachondrit).

Meteorit NWA 5131.
Ténéréit (oder Primitiver Achondrit, CR-Metachondrit).

Fund 2007. Nordwest-Afrika. TKW 533 g.

NWA 5131 besteht aus Olivin (Forsterit, Fa 29.), Orthopyroxen und Metall sowie akzessorischen Anteilen von Clinopyroxen, Plagioklas, Chromit und Troilit. Er wurde ursprünglich als LL-Chondrit betrachtet, ist nach Sauerstoff-Isotopenananlysen und petrografischen Untersuchungen jedoch ein CR-Metachondrit. Feinkörnige Bereiche bestehen aus polygonalen Körnern mit 120° triple-junction-Korngrenzen. Regionen mit poikiloblastischer Textur mit bis zu 4 mm großen Orthopyroxenen repräsentieren wahrscheinlich Bereiche mit rekristallisierten ehemalige Chondren (Wittke et al., 2011).


NWA 5131. Teilscheibe. Größe 23 x 14 mm, Gewicht 1,77 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 12455.  Ténéréit (oder CR7).

Meteorit NWA 12455.
Ténéréit (oder CR7).

Fund 2018. Nordwest-Afrika. TKW 611 g.

NWA 12455 weist eine triple junction-Textur aus Olivin (Forsterit, Fa35.0-35.3), Orthopyroxen (Enstatit, Fs27.8-28.0 Wo3.5-4.0) und Plagioklas (Albit An48.2-48.9 Or1.1) auf. Weiterhin sind Kamacit (Ni7.2%) und Taenit (Ni16.4%) vorhanden. Das Material ist komplett rekristallisiert. Es gibt keine Relikte von Chondren mehr. Die Sauerstoffisotopendaten fallen in das Feld der CR-Meteorite. Nach Agee et al. (2020) ist NWA 12455 der neu vorgeschlagenen Gruppe der Ténéréite zuzurechnen.


NWA 12455. Teilscheibe. Größe 15 x 12 mm, Gewicht 1,04 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 4587.  Ténéréit (oder Primitiver Achondrit, CR-Metachondrit).

Meteorit NWA 4587.
Ténéréit (oder Primitiver Achondrit, CR-Metachondrit).

Fund 2006. Algerien. TKW 530 g.

NWA 4587 besteht im wesentlichen aus großen, braunen Pyroxen-Kristallen (Pigeonit mit feinen Entmischungslamellen von Clinopyroxen), untergeordnet sind Plagioklas und einige Akzessorien enthalten. Der Meteorit gehört zu einer Pairing-Gruppe (NWA 011, NWA 2400, NWA 2976, NWA 4901), deren Sauerstoff-Isotopendaten auf der CR-Linie liegen.


NWA 4587. Teilscheibe. Größe 17 x 10 mm, Gewicht 1,468 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 6704.  Ténéréit (oder Achondrit, ungruppiert).


NWA 6704. Teilscheibe. Größe 26 x 25 mm, Gewicht 3,296 g. Sammlung und Foto
Thomas Witzke.
Meteorit NWA 6704 (Teilscheibe).
Ténéréit (oder Achondrit, ungruppiert).

Fund 2010. Algerien. TKW 8,387 kg.

NWA 6704 weist eine magmatische, kumulate Textur auf. Er besteht hauptsächlich aus bis etwa 4 mm großen Orthopyroxen-Kristallen (Fe-reicher Enstatit, Fs41.6-42.4Wo2.8-3.6). Weiterhin sind kleine Olivin-Körner bis etwa 1 mm Durchmesser (Fayalit, Fa51.6-53.2) vorhanden. Ungewöhnlich ist der hohe NiO-Gehalt im Olivin von 0.9-1.0 Masse-%. Daneben findet sich etwas xenomorpher Plagioklas (Albit, Ab92-93An4-3Or4), Chromit, Merrillit sowie kleine Awaruit-Körnchen. Die Silikate weisen Reihen von 2 - 20 Mikrometer großen, runden Blasen auf. Pairing: NWA 6693 (5,1 kg) und vermutlich NWA 6926 (200 g). Für NWA 6693 wird eine Zusammensetzung von 70,5 % Orthopyroxen, 15,6 % Olivin, 13,4 % Plagioklas, 0,6 % Cr-Spinell und 0,4 % Ni-reiches Metall (ca. 80 % Ni) angegeben. Nach terrestrischer Nomenklatur handelt es sich bei dem Material um ein gabbroisches Gestein, genauer um Olivin-Norit.

Der Meteorit weist hinsichtlich der Hauptelemente eine fast chondritische Zusammensetzung und ein schwach fraktioniertes Muster für hoch siderophile und Selten-Erd Elemente auf. Das Gestein ist gegenüber Chondriten an hoch volatilen Elementen verarmt. Die Elementverteilungen weisen darauf hin, dass die Schmelze und das Ausgangsgestein keine signifikante Trennung von Metall, Sulfiden und Silikaten erfahren hat. Das chondritische Ausgangsgestein wurde über die Schmelztemperatur erhitzt so dass hoch volatile Elemente entweichen konnten. Die Schmelze enthielt noch einige Relikte
von Orthopyroxen. Aufschmelzung und anschließende Kristallisation, verursacht wahrscheinlich durch einen Impakt auf einem undifferentierten Asteroiden, erfolgten so schnell (Abkühlung 1 - 100°C/h), dass keine magmatische Differentiation stattfinden konnte (Hibiya et al., 2019).

Die Sauerstoffisotopen-Daten (delta 17O = 1,015 - 0,8890, delta 18O = 3,922 - 3,613) verweisen auf das gleiche Isotopen-Reservoir für den Mutterkörper von NWA 6704 wie für die kohligen Chondrite. Nach Agee et al. (2020) gehört NWA 6704 zu der neu vorgeschlagenen Gruppe der Ténéréite.




Brachinite
Brachinite werden auch zu den Primitiven Achondriten gerechnet. Es sind ultramafische Gesteine ähnlich terrestrischen Duniten oder Peridotiten. Sie bestehen aus Olivin und untergeordnet Clinopyroxen, Orthopyroxen und Plagioklas. Die Textur entspricht der von einem Kumulat und belegt Schmelzprozesse und Rekristallisation. Es ist nicht bekannt, ob die Brachinite von einem relativ heterogenen Körper stammen oder von mehreren verschiedenen Körpern. Die z.T. recht heterogenen Sauerstoffisotopendaten sprechen für letztere Variante. So liegt der Namensgeber der Gruppe, Brachina, mit seinen Daten dicht an den Winonaiten (Greenwood et al., 2007).
Als eine mögliche Herkunft der Brachinite wird ein A-Typ Asteroid diskutiert, nach Reflektanzspektren kommen 289 Nenetta oder andere aus dem Hauptasteroidengürtel in Frage. Bisher sind nur sehr wenige Brachinite bekannt.


    NWA 5471.  Primitiver Achondrit, Brachinit.

Meteorit NWA 5471.
Achondrit, Brachinit.

Fund 2008. Nordwest Afrika. TKW 538 g.

Der Meteorit enthält im wesentlichen equigranularen Forsterit (Fa 28,2). Schockstadium niedrig, Verwitterungsgrad mäßig.


NWA 5471. Vollscheibe. Größe 36 x 13 mm, Gewicht 3,341 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 6152.  Primitiver Achondrit, Brachinit.

Meteorit NWA 6152.
Achondrit, Brachinit.

Fund 2010. Nordwest Afrika. TKW 200 g.

NWA 6152 besteht überwiegend aus Forsterit (Fa 30.6-30.7, FeO/MnO = 63.7-66.7). Weiterhin finden sich Orthopyroxen (Enstatit, Fs24.6-24.7Wo2.1), Clinopyroxen (Fs9.8-10.2Wo43.6-43.2), Chlorapatit, Chromit, Kamacit und Troilit. Verwitterungsgrad niedrig.


NWA 6152. Teilscheibe. Größe 16 x 15 mm, Gewicht 1,800 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 6349.  Primitiver Achondrit, Brachinit.

Meteorit NWA 6349.
Achondrit, Brachinit.

Fund 2010. Nordwest Afrika. TKW 730 g.

NWA 6349 besteht im wesentlichen aus Forsterit (Fa 34.1-34.6, FeO/MnO = 74.0-74.5). Akzessorisch ist Clinopyroxen (Fs9.9-10.1Wo46.5-46.4), Chromit, Kamacit, Pyrrhotin und Taenit vorhanden.


NWA 6349. Teilscheibe. Größe 25 x 21 mm, Gewicht 4,414 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



ungruppierte Achondrite - Brachinit-ähnlich, auf TFL
NWA 5400, NWA 5363, NWA 6065, NWA 6077, NWA 6292 und wahrscheinlich NWA 6424 bilden eine Pairing-Gruppe von Brachinit-ähnlichen Meteoriten, deren Sauerstoffisotopenwerte jedoch nicht im Brachinit-Feld, sondern auf der Terrestrischen Fraktionierungslinie (TFL) liegen. Damit muss das Material in einer ähnlichen Region wie die Erde im solaren Nebel entstanden sein. Es lassen sich drei Hypothesen aufstellen, um was es sich handeln könnte: 1) das Material stammt von einem relativ gut differenzierten, größeren Körper, der in der Nähe der Erde entstanden ist, 2) es handelt sich um Material von der Proto-Erde, allerdings spricht das Vorkommen von Eisen und Kamacit eher dagegen, 3) es stammt von dem etwa Mars-großen Körper ("Theia"), der mit der Erde kollidiert ist und zur Entstehung des Mondes geführt hat. Die geringen Anteile an Kamacit und Troilit sprechen für eine noch nicht komplette Differenzierung und damit für Variante 1). Untersuchungen an dem Material laufen noch. Eine Alterstbestimmung an NWA 5400 (Cr-Isotope) ergab einen maximalen Wert von 4541 Millionen Jahren. Er ist damit signifikant jünger als die Brachinite.


    NWA 5363.  Primitiver Achondrit, Brachinit-ähnlich.

Meteorit NWA 5363.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 2008. Nordwest-Afrika. TKW 2455 g.

NWA 5363 besteht überwiegend aus Olivin und weist damit eine Brachinit-ähnlich Zusammensetzung auf. Bei dem Olivin handelt es sich um einen Forsterit (Fa29). Weiterhin sind etwas Enstatit (En73Fs25Wo2), Augit (En44Fs10Wo45), Chromit sowie akzessorisch Chlorapatit, Eisenphosphat, Troilit und verwitterter Kamacit vorhanden. Die Sauerstoffisotopendaten liegen auf der TFL. Verwitterungsgrad W2/3.


NWA 5363. Fragment. Größe 25 x 18 mm, Gewicht 4,05 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 6292.  Primitiver Achondrit, Brachinit-ähnlich.

Meteorit NWA 6292.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 2010. Nordwest-Afrika. TKW 725 g.

Bei NWA 6292 handelt es sich um ein Brachinit-ähnliches, ultramafisches, Olivin-reiches Material. Die Sauerstoffisotopendaten liegen auf der TFL.


NWA 6292. Teilscheibe. Größe 15 x 11 mm, Gewicht 1,487 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



ungruppierte Achondrite - Brachinit-ähnlich (Divnoe)
Bei Divnoe handelt es sich um einen ungruppierten, Brachinit-ähnlichen Achondriten. Das Material ist auf einem ursprünglich chondritischen Körper entstanden. Bei etwa 1300°C kam es zu einer partiellen Schmelzbildung von etwa 20%. Ein Anteil von etwa 60% der Schmelze kristallisierte zu der Olivin-Grundmasse, die restlichen 40% Na- und K-reiche Schmelze wurden weggeführt.


    Divnoe.  Primitiver Achondrit, Brachinit-ähnlich (Divnoe).

Meteorit Divnoe.
Achondrit, ungruppiert.

Fund September 1981. 35 km SE von Divnoe, Stavropol Region, Russland. TKW 12,7 kg.

Neben der Olivin-Grundmasse, die das Ergebnis partieller Schmelzen und partieller Kristallisation ist, enthält der Meteorit noch Pyroxen- und Plagioklas-reiche Partien, die in situ kristallisierte Teilschmelzen darstellen, sowie dunkle, feinkörnige Lithologien. Letztere ist wahrscheinlich das Ergebnis einer Schwefelmetasomatose in der Schmelze mit Olivin (Petaev et al., 1994). Während der langsamen Abkühlung von etwa 1000 auf 500°C wurde das gesamte Material rekristallisiert. Ein jüngeres, offenbar impaktbedingtes thermisches Ereignis mit Aufheizung bis 700°C ist festzustellen.


Divnoe. Teilscheibe. Größe 5,5 x 5 mm, Gewicht 0,097 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    Divnoe.  NWA 6112, Brachinit-ähnlich (Divnoe).

Meteorit NWA 6112.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 2000. Nordwest-Afrika. TKW 1040 g.

NWA 6122 ist Brachinit-ähnlich und speziell sehr ähnlich Divnoe. Ansonsten liegen noch keine weiteren Angaben vor.


NWA 6112. Teilscheibe. Größe 18 x 13 mm, Gewicht 1,53 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



ungruppierte Achondrite - Brachinit-ähnlich (NWA 4042 u.a.)
NWA 4042 und ähnliche Meteorite bestehen im wesentlichen aus Olivin und weisen damit eine dunitische Zusammensetzung auf. Sie sind sehr ähnlich den Brachiniten. Die Sauerstoffisotopendaten liegen außerhalb des Brachinit-Feldes, jedoch schlagen einige Autoren vor, sie den Brachiniten zuzurechnen. Nach neuen Untersuchungen der hoch siderophilen Elemente und des Metall-Sulfid-Segregationsprozesses wird davon ausgegangen, dass diese Meteorite nicht vom Brachinit-Mutterkörper stammen, aber unter ähnlichen petrologischen Prozessen auf einem ähnlich volatil-reichen Asteroiden entstanden sind (Day et al., 2012). NWA 4042 und ähnliche Meteorite werden auch den Primitiven Achondriten zugerechnet (Greenwood et al., 2007).


    NWA 4042.  Primitiver Achondrit, Brachinit-ähnlich.

Meteorit NWA 4042.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 2004. Nordwest-Afrika. TKW 56,2 g.

NWA 4042 besteht aus 93,3 % equigranularem Olivin (Forsterit, Fa20.3), 4,6 % Pyroxen (Fs16.2Wo1.0), 1,1 % Chromit, 0,7 % Fe-Ni-Metall und 0,4 % Pyrrhotin. Die Sauerstoffisotopendaten (δ17O = 2.539; δ18O = 5.178; Δ17O = -0.154) liegt außerhalb des Feldes für Brachinite, aber nahe den Feldern von Brachiniten, Aubriten und Winonaiten und den Daten des Meteoriten Divnoe. Schockstadium S2, Verwitterungsgrad W2.


NWA 4042. Teilscheibe. Größe 20 x 17 mm, Gewicht 1,548 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



CV-Metachondrite
Die chemische Zusammensetzung von CV-Metachondriten entspricht der von CV-Chondriten und unterscheidet sich von anderen kohligen oder gewöhnlichen Chondriten. Die Sauerstoff-Isotopen-Daten fallen ebenfalls in das CV-Feld. Das Hf/W-Verhältnis und W-Isotopendaten unterscheiden sich nicht von denen des CV-Chondriten Allende. Die Daten weisen auf einen relativ großen und mindestens teilweise in eine Metall+Silikat-Kernregion mit silikatreichem Mantel differenzierten CV-Mutterkörper hin, der von einem Chondren- und CAI-reichen Regolith bedeckt ist. Die tiefsten Regionen wurden wahrscheinlich innerhalb der ersten 10 Millionen Jahre des Sonnensystems metamorphisiert und/oder aufgeschmolzen unter Ausbildung primitiver achondritischer Lithologien.


    NWA 3133.  Primitiver Achondrit, CV-Metachondrit.

Meteorit NWA 3133.
Primitiver Achondrit (CV-Metachondrit), anomal, ungruppiert.

Fund 2004. Marokko. TKW 4,19 kg.

Der Meteorit weist eine equigranulare Textur aus etwa 0,28 mm großen, subidiomorphen bis xenomorphen Körnern auf. Chondren sind nicht vorhanden. Der Mineralbestand ist hoch equilibriert: Forsterit (Fa 22.2 - 22.6), Enstatit (Orthopyroxen Fs 18.6 Wo 2.8 - Fs 19.2 Wo 2.1), Diopsid (Clinopyroxen Fs 7.3 Wo44.6 - Fs 8.7 Wo 42.2), Anorthit (intermediärer Plagioklas An 50.1 Or2.5 - An 53.5 Or2.3), Merillit, Chromit, Ni-Fe-Metall (Ni = 17.4 - 20.2 wt.%) und Troilit.


NWA 3133. Teilscheibe. Größe 10 x 9 mm, Gewicht 1,1 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



CX-Metachondrite (Primitive Achondrite, ultramafisch, Wehrlit)
NWA 10503 stellt einen ungruppierten Achondriten (Metachondrit) mit ultramafischer, wehrlitischer Zusammensetzung dar. Die Sauerstoff-Isotopendaten (δ17O-δ18O-Diagramm) liegen nahe den Werten der CV- und CO-Chondrite, unterscheiden sich aber signifikant von diesen. Sie liegen auf einer separaten Linie zusammen mit dem ungruppierten Pallasiten Milton. Für diese wurde die informelle Bezeichnung CX vorgeschlagen.
Im Δ17O-ε54Cr- Diagramm plotten NWA 10503 und Milton in den Bereich des CV-Clans und teilen wahrscheinlich eine genetische Beziehung. Ein separater Mutterkörper mit ursprünglich kohlig-chondritischer Zusammensetzung ist wahrscheinlich als als Ursprung von NWA 10503 anzusehen (Irving et al., 2016; Sanborn et al., 2018; Irving et al., 2019).
NWA 10859 ist ein Pairing zu NWA 10503.


    NWA 10503.  Primitiver Achondrit, ungruppiert, CX-Metachondrit.

Meteorit NWA 10503.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 2015. Nordwest-Afrika. TKW 407 g.

NWA 10503 weist eine Triple-Junction-Textur auf. Die Korngröße liegt bei 0,1 - 0,7 mm. Er besteht aus etwa 70 Vol.-% Olivin (Forsterit, Fa31.8-32.0), 20 % Clinopyroxen (Augit, Fs11.4-11.6 Wo42.5-42.6) und 10 % Plagioklas (Albit, An32.3-33.9Or3.2-3.0). Akzessorisch sind Pyrrhotin, Chromit, Taenit und Pentlandit vorhanden (Irving et al., 2016).


NWA 10503. Teilscheibe. Größe 16 x 15 mm, Gewicht 1,91 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 10859.  Primitiver Achondrit, ungruppiert, CX-Metachondrit.

Meteorit NWA 10859.
Achondrit, ungruppiert.

Fund 2016. Angeblich nahe Tan Tan, Marokko. TKW 215 g.

NWA 10859 weist eine Triple-Junction-Textur auf. Die Korngröße liegt bei 0,1 - 0,2, selten bis 0,4 mm. Der Meteorit enthält Olivin (Forsterit, Fa31.8-31.9), Clinopyroxen (Augit, Fs11.4-11.5 Wo43.6-43.4) sowie Plagioklas, Troilit, Chromit, Kamacit und Taenit.


NWA 10859. Fragment. Größe 11 x 9 mm, Gewicht 1,1 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



LL-Metachondrite
Nach den Sauerstoff-Isotopendaten stammen die LL-Metachondrite vom LL-Mutterkörper. Sie sind so stark metamorphisiert, dass Chondren völlig überprägt wurden. Eine Abgrenzung zu LL7-Chondriten wird nicht einheitlich vorgenommen.


    NWA 6260.  Primitiver Achondrit, LL-Metachondrit.

Meteorit NWA 6260.
Primitiver Achondrit (LL-Metachondrit), ungruppiert.

Fund 2010. Nordwest-Afrika. TKW 1130 g.

Das Material ist komplett rekristallisiert, es sind keine Chondren mehr vorhanden. Erkennbar ist eine poikiloblastische Textur mit großen Olivinen. Neben Olivin (Forsterit, Fa31.8-32.0) sind Orthopyroxen (Enstatit, Fs25.1-25.3Wo3.2-3.5), Clinopyroxen (Fs12.7-13.3Wo39.7-38.2), Plagioklas (Albit), Chromit und Chlorapatit vorhanden. Schockstadium S2, Verwitterungsgrad W1. Der Meteorit wurde ursprünglich für einen Olivin-Diogenit gehalten.


NWA 6260. Teilscheibe. Größe 23 x 13 mm, Gewicht 1,68 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



Primitive Achondrite, LL-Metachondrit-verwandt
Die Sauerstoffisotopenzusammensetzung zeigt Beziehungen zu den LL-Chondriten. Der Gehalt an metallischem Eisen von etwa 10 % ist jedoch höher, als er bei einem stark metamorphen LL-Chondriten zu erwarten ist. Auch die Olivinzusammensetzung liegt außerhalb des Bereichs equilibrierter LL-Chondrite. Das Material dürfte deshalb von einem separaten Mutterkörper stammen.


    NWA 5297.  Primitiver Achondrit, ungruppiert.

Meteorit NWA 5297.
Primitiver Achondrit, ungruppiert.

Fund 2008. Alargoug, Marokko. TKW 130 g.

Der Meteorit besteht aus Forsterit (Fa28.6), Orthopyroxen, Taenit (ca. 10% Ni), Albit (Ab86.2 An9.1 Or4.7) und Troilit. Er weist ein metamorphes, poikiloblastisches Gefüge auf. Reliktische Chondren sind nicht vorhanden.


NWA 5297. Vollscheibe. Größe 23 x 18 mm, Gewicht 3,1 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



L-Metachondrite
Nach den Sauerstoff-Isotopendaten stammen die L-Metachondrite vom L-Mutterkörper. Sie sind so stark metamorphisiert, dass Chondren völlig überprägt wurden. Eine Abgrenzung zu L7-Chondriten wird nicht einheitlich vorgenommen.


    NWA 6348.  Primitiver Achondrit, L-Metachondrit.

Meteorit NWA 6348.
Primitiver Achondrit (L-Metachondrit), ungruppiert.

Fund 2010. Nordwest-Afrika. TKW 134 g.

NWA 6348 weist eine fleckige Textur aus Arealen verschiedener Korngröße auf. Wahrscheinlich handelt es sich dabei nicht um verschiedene Klasten. Chondren sind nicht mehr vorhanden. Einige feinere Regionen könnten ehemalige Chondren darstellen. Der Meteorit enthält Forsterit (Fa26.4-33.2), Enstatit (Orthopyroxen, Fs64.0-65.0 Wo2.7), Pigeonit (Clinopyroxen Fs27.3-31.6 Wo42.8-41.6), Na-reichen Plagioklas, Chromit, Kamacit, Taenit und Troilit. NWA 6348 weist dunkle Schockadern auf. Schockstadium S3, Verwitterungsgrad W2.


NWA 6348. Teilscheibe. Größe 34 x 19 mm, Gewicht 2,938 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



H-Metachondrite
Nach den Sauerstoff-Isotopendaten stammen die H-Metachondrite vom H-Mutterkörper. Sie sind so stark metamorphisiert, dass Chondren völlig überprägt wurden. Eine Abgrenzung zu H7-Chondriten wird nicht einheitlich vorgenommen.


    NWA 2635.  Primitiver Achondrit, H-Metachondrit.

Meteorit NWA 2635.
Primitiver Achondrit (H-Metachondrit), ungruppiert.

Fund Herbst 2004. Nordwest-Afrika (Marokko oder Algerien). TKW 4,2 kg.

Der Meteorit ist rekristallisiert und weist eine Textur aus polygonalen Körnern unter 0,5 mm Abmessung auf, nur einige Pyroxen-Kristalle sind etwas größer. Olivin und Orthopyroxen sind homogen (Fa18.9, Fs16.8Wo2.9) und belegen eine starke Equilibrierung. Außerdem sind Albit, Taenit (mit 18.9 % Ni) und Troilit vorhanden. Die Zusammensetzung entspricht etwa der von H-Chondriten. Reliktische Chondren sind nicht mehr erkennbar. Schockstadium S1, Verwitterungsgrad W2.


NWA 2635. Endstück. Größe 24 x 20 mm, Gewicht 4,73 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 7024.  Primitiver Achondrit, H-Metachondrit.

Meteorit NWA 7024.
Primitiver Achondrit (H-Metachondrit), ungruppiert.

Fund 2011. Sahara, Nordwest-Afrika. TKW 78 g.

NWA 7024 ist rekristallisiert, reliktische Chondren sind nicht mehr vorhanden.


NWA 7024. Teilscheibe. Größe 25 x 20 mm, Gewicht 4,409 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



Primitive Achondrite, H7-verwandt
NWA 2835 ist ein primitiver Achondrit mit Beziehungen zu H7-Chondriten. Er stammt vermutlich von einem separaten Mutterkörper.


    NWA 2835.  Primitiver Achondrit, H-Metachondrit-ähnlich.

Meteorit NWA 2835.
Primitiver Achondrit, ungruppiert.

Fund 2005. Nordwest-Afrika. TKW 1233 g.

NWA 2835 wurde zunächst als H7-Chondrit angesehen (und findet sich so noch in der Meteoritical Bulletin Database), nach einer bisher offenbar nicht publizierten Isotopenanalyse aber als ungruppierter Primitiver Achondrit eingestuft. Er enthält Forsterit (Fa17.8) und Pyroxen (Fs16.4) sowie Plagioklas (Anorthit, An80). Schockstadium S2, Verwitterungsgrad W4. Weitere Daten liegen zu dem Meteoriten nicht vor. Pairing: wahrscheinlich NWA 2353.


NWA 2835. Teilscheibe. Größe 17 x 11 mm, Gewicht 0,64 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



Primitive Enstatit-Achondrite
Im Gegensatz zu den sehr Enstatit-reichen Aubriten, die aus einer magmatischen Schmelze kristallisiert sind und deshalb differenzierte Achondrite darstellen, weisen einige Enstatit-reiche Meteorite andere Entstehungsgeschichten auf. Für die hier behandelten primitiven Enstatit-Achondrite ist von mehreren Mutterkörpern auszugehen. So wird für NWA 2526 angenommen, dass er residuales Material einer Teilaufschmelzung bei etwa 1100°C mit 10 - 20 % Schmelzbildung darstellt. Ausgangsmaterial ist ein Enstatit-Chondrit-artiges Gestein, wobei keine direkte Beziehung zu den EL- oder EH-Chondriten hergestellt werden kann. Itqiy ist das Produkt zweier thermischer Ereignisse, wobei es bei dem ersten zu einer partiellen Schmelzbildung und Abfuhr von Troilit und Plagioklas und in Folge zu der grobkörnigen, rekristallisierten Textur kam. Das zweite thermische Ereignis ist auf einen Impakt zurückzuführen. Das Ausgangsmaterial für Itqiy ist Enstatit-chondritisch, wobei auch hier keine direkte Beziehung zu EL- und EH-Chondriten besteht. NWA 2526 und Itqiy könnten eventuell vom gleichen Mutterkörper stammen. Für Zaklodzie und NWA 4301 wird einerseits von einem Kumulat-Gestein ausgegangen, während andere Autoren es als eine schnell abgekühlte Impaktschmelz-Brekzie von Enstatit-chondritischem Ausgangsmaterial betrachten (Keil & Bischoff, 2008).


    Zaklodzie.  Primitiver Achondrit, Enstatit-Achondrit.

Meteorit Zaklodzie.
Primitiver Achondrit (Enstatit-Achondrit), ungruppiert.

Fund September 1998. Zaklodzie, Zamosc, Polen. TKW 8,68 kg.

Der Meteorit weist eine Kumulat-Textur auf und enthält etwa 60 % Enstatit, 20 % Ni-Fe-Metall, 10 % Troilit, 10 % Albit und einige Akzessorien wie Oldhamit, Alabandin und Keilit. Die Akzessorien, speziell Keilit, weisen auf sehr reduzierende Bedingungen bei der Entstehung hin. Die chemische Zusammensetzung des Meteoriten ist ähnlich der von EL Enstatit-Chondriten, der Mutterkörper gehört deshalb vermutlich zu dieser Klasse von Asteroiden. Das Alter des Materials wurde mit etwa 4,562 Mrd. Jahren bestimmt (Al-Mg-Alter). Durch den Zerfall von 26Al wurde der Asteroid wahrscheinlich vor etwa 4,4 Mrd. Jahren weitgehend aufgeschmolzen. Bei der Abkühlung sind bei etwa 600 - 580ºC die Sulfide auskristallisiert. Durch eine Kollision gab es vor etwa 2,1 Mrd. Jahren vermutlich eine partielle Wieder-Aufschmelzung des Materials.


Zaklodzie. Teilscheibe. Größe 10 x 7 mm, Gewicht 0,63 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 4301.  Primitiver Achondrit, Enstatit-Achondrit.

Meteorit NWA 4301.
Primitiver Achondrit (Enstatit-Achondrit), ungruppiert.

Fund April 2006. Mauretanien oder Algerien. TKW 685 g.

Der Meteorit ist dem gerade beschriebenen Zaklodzie sehr ähnlich, wurde jedoch in 3000 km Entfernung von diesem gefunden, so dass es sich sicher nicht um den selben Fall handelt. Beide Meteorite dürften aber aus der gleichen Quelle stammen. NWA 4301 weist eine subequigranulare, magmatische Kumulat-Textur auf. Er enthält etwa 70 % Enstatit, 15 % Ni-Fe-Metall, 10 % Albit, 5 % Troilit und etwas Daubreelit als Einschlüsse in Enstatit.


NWA 4301. Teilscheibe. Größe 15 x 14 mm, Gewicht 1,1 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    Itqiy.  Primitiver Achondrit, Enstatit-Achondrit.


Itqiy. Teilscheibe. Größe 23 x 20 mm, Gewicht 1,056 g. Sammlung und Foto Thomas
Witzke.
Meteorit Itqiy (Teilscheibe).
Primitiver Achondrit (Enstatit-Achondrit), ungruppiert.

Fall um 1990 (?), wahrscheinlich aber vor ca. 5800 +/- 500 Jahren. Fund Juli 2000. Itqiy, Saguia el Hamra, West-Sahara (26°35'27''N, 12°57'08''W). TKW 4,72 kg.

Bei Itqiy handelt es sich nach neuen Untersuchungen um einen Primitiven Enstatit-Achondriten (in Meteoritical Bulletin Database als EH7-anomal klassifiziert), der sich deutlich von anderen Enstatit-reichen Meteoriten wie den Aubriten unterscheidet. Er ist nach Untersuchungen der Sulfid-Zusammensetzungen wahrscheinlich auch nicht aus EL- oder EH-Chondriten entstanden. Die Differenzen zu Zaklodzie legen weiterhin nahe, dass Itqiy nicht von dem selben Mutterkörper wie dieser stammt. Das Material kann als das Enstatit-Äquivalent zu den Lodraniten betrachtet werden.
Itqiy weist eine grobkörnige, equigranulare, homogene Textur aus etwa 75 % Enstatit, ca. 25 % Kamacit sowie einigen Akzessorien wie Troilit, Oldhamit und Alabandit auf. Er ist unter sehr reduzierenden Bedingungen entstanden. Es lassen sich zwei thermische Ereignisse bei der Entstehung von Itqiy unterscheiden. Ein erster Hochtemperatur-Prozess führte zu einer intensiven Rekristallisation und Equilibrierung von Enstatit. Dabei wurde durch fraktioniertes Schmelzen ein sulfid- und feldspatreiches Magma produziert, dass später abgetrennt wurde. Ein zweites, jüngeres Ereignis, wahrscheinlich ein Impakt, führte zu undulöser Auslöschung, irregulären Brüchen und Mosaikbildung im Enstatit.




Primitive Achondrite


    NWA 5384.  Primitiver Achondrit, ungruppiert.

Meteorit NWA 5384.
Primitiver Achondrit, ungruppiert.

Fund 2007. Nordwest-Afrika. TKW 331 g.

Über den Meteoriten sind bisher kaum Informationen verfügbar. Schockstadium S2, Verwitterungsgrad W2. Olivin mit Fa33, Pyroxen mit Fs9,3 Wo47,2.


NWA 5384. Teilscheibe. Größe 14 x 8 mm, Gewicht 0,555 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



Primitive Achondrite (NWA 7078)
Da es bisher keine Publikationen zu dem Meteoriten gibt, lässt sich derzeit nichts zu einer näheren Einordnung oder Beziehungen zu anderen Meteoriten sagen.


    NWA 7078.  Primitiver Achondrit, ungruppiert.

Meteorit NWA 7078.
Primitiver Achondrit, ungruppiert.

Fund Juni 2011. Sahara, Nordwest-Afrika. TKW 86 g.

Über den Meteoriten sind bisher kaum Informationen verfügbar. Er enthält Olivin (Fayalit, Fa28.4), Plagioklas (Albit, An11.6Ab83.6) und Pyroxene (Enstatit, Fs23.4Wo3.7 und Clinopyroxen, Fs12.3Wo37.8). Schockstadium S1, Verwitterungsgrad W1-2.
In der Datenbank des Meteoritcal Bulletin wird NWA 7078 noch als 'provisorisch' geführt.


NWA 7078. Individual. Größe 13 x 9 mm, Gewicht 1,431 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



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ACHONDRITE
Differenzierte Asteroidale Achondrite
Vesta Meteorite
HED-Gruppe
Mars Meteorite
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LUN-Gruppe




Literatur siehe Hauptseite Meteorite
Weitere verwendete Literatur:
Agee, C.B.; Aikin, H. & Ziegler, K. (2020) 51st Lunar and Planetary Science Conference, 2292.pdf
Bunch et al. (2008) Lunar and Planetary Science XXXIX, 1991
Floss, C. et al. (2008): Evolution of the winonaite parent body: Clues from silicate mineral trace element distributions.- Meteoritics & Planetary Science 43, Nr 4, 657-674
Greenwood et al. (2007): Oxygen isotope composition of the primitive achondrites.- Lunar and Planetary Science XXXVIII, 2163.pdf
Hibiya et al. (2019): The origin of the unique achondrite Northwest Africa 6704: Constraints from petrology, chemistry and Re-Os, O and Ti isotope systematics.- Geochimica et Cosmochimica Acta 245, 597-627
Irving, A.J. & Rumble, D., III (2006): Oxygen Isotopes in Brachina, SAH 99555 and Northwest Africa 1054.- 69 Ann. Met. Soc. Meeting, pdf5288
Irving, A.J.; Kuehner, S.M.; Ziegler, K.; Sanborn, M.E.; Yin, Q.; Kuntz, F. & Sipiera, P.P. (2016): Petrologic and O-Cr isotopic characterization of ungrouped metachondrite Northwest Africa 10503: Clues to a new carbonaceous chondritic parent body.- 79th Annual Meeting of the Meteoritical Society, 6461.pdf
Irving, A.J. et al. (2019): Evidence for a unique carbonaceous chondrite parent body ('CX') and another one with a dunitic mantle.- 50th Lunar and Planetary Science Conference 2019 (LPI Contrib. No.2132)
Petaev et al. (1994): The Divnoe meteorite: Petrology, chemistry, oxygen isotopes and origin.- Meteoritics 29, 182-199

Acapulco: Palme, H. et al. (1981): The Acapulco meteorite - Chemistry, mineralogy and irradiation effects.- Geochimica et Cosmochimica Acta 45, 727-729; Göpel, Ch. et al. (1992): U-Pb study of the Acapulco meteorite.- Meteoritics 27, 226; Min et al. (2003): Single grain (U-Th)/He ages from phosphates in Acapulco meteorite and implications for thermal history.- Earth and Planetary Science Letters 209, 323-336
Itqiy: Patzer, A. et al. (2001) Meteoritics and Planetary Science 36, 1495-1505
NWA 2714: http://www4.nau.edu/meteorite/Meteorite/Acapulcoite.html
NWA 3133: Schoenbeck et al., (2006) Lunar and Planetary Science XXXVII, 1550 und Irving et al. (2008)
NWA 4024: Schulz et al. (2007) Lunar and Planetary Science XXXVIII, 1760
NWA 4478: Irving et al. (2007) 70th Annual Meteoritical Society Meeting, 5129
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NWA 5400 (und Pairings): Shukolyukov et al. (2010) 41th Lunar and Planetary Science Conference, 1492.pdf



© Thomas Witzke


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