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           Eisenmeteorite   -   Fotos und Klassifikation


                              Eisenmeteorite II


EISENMETEORITE

Eisen I

Eisen II

Eisen III

Eisen IV

Eisen ungruppiert
Eisenmeteorite bestehen im Allgemeinen zu über 90 % aus Nickel-Eisen-Legierungen, wobei es jedoch auch einige Ausnahmen von silikathaltigen Eisenmeteoriten mit deutlich geringeren Metallgehalten gibt. Hauptphasen in Eisenmeteoriten sind Nickel-haltiges alpha-Eisen, das als Kamacit bezeichnet wird (kubisch, Raumgruppe Im3m, Ni-Gehalt 4 – 7,5 %), und Taenit, gamma-(Fe,Ni) mit Ni-Gehalten von üblicherweise 20 – 45 % (kubisch, Raumgruppe Fm3m). Gelegentlich ist auch Tetrataenit, FeNi (tetragonal, Raumgruppe P4/mmm) vorhanden. Neben Einschlüssen von Silikaten treten in Eisenmeteoriten auch Graphit, Troilit, Cohenit, Schreibersit, Nickelphosphid, Diamant, Lonsdaleit und einige weitere Minerale auf.

Eisenmeteorite gehören zu den differenzierten Meteoriten, d.h. sie entstammen Asteroiden, die so stark erhitzt wurden, dass es zu Schmelzprozessen mit anschließender Trennung von Metall- und Silikatphase kam. Dabei bildete sich ein metallischen Kern und ein silikatischer Mantel in dem Körper. Der Asteroid muss groß genug gewesen sein, um eine derartige Aufschmelzung und Differenzierung zu ermöglichen. Die Abkühlungsgeschwindigkeiten variieren je nach Größe und Zusammensetzung und verlaufen auch nicht linear mit der Zeit.

Die Klassifikation der Eisenmeteorite erfolgt nach ihrer Zusammensetzung, dabei werden die Gehalte an Gallium, Germanium, Iridium und Gold berücksichtigt (siehe Tabelle unten). Höhere römische Ziffern bedeuten hier sinkende Spurenelementgehalte. Bei Meteoriten einer Klasse ist eine Herkunft von einem Mutterkörper bzw. eine Bildung unter ähnlichen Bedingungen anzunehmen. Etwa 15 % der Eisenmeteoriten lässt sich keiner der bekannten Klassen zuordnen. Sie werden als ungruppiert geführt. Es wird geschätzt, dass die bisher gefundenen Eisenmeteorite über 60 verschiedene Mutterkörper repräsentieren. Durch spätere Kollisionen oder Impakte wurden diese Körper dann zerstört.

Eine alte Klassifizierung teilt die Eisenmeteorite nach ihrer Struktur in Hexaedrite, Oktaedrite und Ataxite ein.
Hexaedrite bestehen im Wesentlichen aus Kamacit, der Nickel-Gehalt liegt dementsprechend unter 7,5 %. Widmanstättensche Figuren sind nicht vorhanden, einige Hexaedrite weisen jedoch feine, parallele Linien auf, die sogenannten Neumann-Linien. Diese Linien stellen Schock-induzierte Zwillingslamellen dar, die das Resultat von Impakten sind.
Oktaedrite sind die häufigsten Eisenmeteorite. Verwachsungen von Kamacit und Taenit bilden hier die Widmannstättenschen Figuren. Die räumliche Anordnung dieser Verwachsungen folgt den Flächen eines Oktaeders. Die Oktaedrite wurden früher näher nach der Breite der Kamacit-Bänder unterteilt. Widmanstättensche Figuren bilden sich bei einem Ni-Gehalt zwischen etwa 5 - 15 % und Abkühlungsraten von etwa 1 - 200ºC pro Millionen Jahre im Bereich zwischen 700 und 400ºC. Neben Abkühlungsgeschwindigkeit und Ni-Gehalt hat auch der Phosphor-Gehalt einen Einfluss auf die Nickel-Diffusion im Metall und damit auf Ausbildung der Widmanstättenschen Figuren. Auch in Oktaedriten können die schon erwähnten Neumann-Linien auftreten.
Ataxite bestehen hauptsächlich aus Taenit und zeigen im Anschliff nach dem Ätzen keine Widmanstättenschen Figuren. Nur in Form von mikroskopischen Lamellen oder Spindeln kann Kamacit sporadisch vorhanden sein. Der Ni-Gehalt der Ataxite liegt bei über 15 %.




      Eisenmeteorite IIAB



    Nenntmannsdorf.  Eisenmeteorit, IIAB Gruppe.


Nenntmannsdorf. Teilscheibe, Größe 48 x 15 mm, Gewicht 8,961 g. Sammlung und
Foto Thomas Witzke. Ex Collection Moritz Karl.
Meteorit Nenntmannsdorf.
Eisenmeteorit, IIAB Gruppe.

Fund Anfang Dezember 1872. Nentmannsdorf, Bahretal bei Pirna, Dresden, Sachsen. TKW 12,5 kg.

Hans Bruno GEINITZ teilte im Dresdner Journal No. 303 vom 31. Dezember 1872 die Auffindung eines neuen Meteoriten mit. Danach konnte der Obersteiger B. Schreiter aus Berggiesshübel Anfang Dezember 1872 in Nenntmannsdorf (heute Nentmannsdorf, ein Ortsteil der Gemeinde Bahretal) südlich von Pirna "etwa 2 Fuss tief unter der Rasendecke" einen rundlichen Block von 25 Zollpfund Gewicht, der "aus gediegenem, weichem, hämmerbarem Eisen besteht, das an seiner Oberfläche mit einer schwärzlichen braunen Oxydhaut bedeckt und mit etwas Magnetkies vermengt ist". Das Zollpfund wurde 1858 auf 500 Gramm festgelegt, somit ergeben sich 12,5 kg für das Exemplar. GEINITZ lag das Meteoreisen am 13. Dezember 1872 vor. Er sandte etwas Material an der Chemiker G.E. LICHTENBERGER in Dresden, der noch im Dezember 1872 eine Analyse durchführte, bei der er nur Eisen und Nickel fand. Die Gehalte betrugen 94,59% Eisen und 5,31 % Nickel.
Der Meteorit hat wahrscheinlich schon längere Zeit im Boden gelegen. GEINITZ stellte den neuen Meteoriten auch auf der Sitzung der naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS zu Dresden am 23. Januar 1873 vor. Das Exemplar konnte für das Königliche Mineralogische Museum in Dresden erworben werden (GEINITZ, 1872 und 1873).
Eine weitere Analyse teilte Franz Eugen GEINITZ (der Sohn von Hans Bruno GEINITZ und ebenfalls Geologe und Mineraloge) 1876 mit. Danach besteht das Material aus 93,04% Eisen, 6,16 Nickel und 0,22 Phosphor. Es zeigten sich keine Widmannstättenschen Figuren nach dem Ätzen. Eingesprengt zeigten sich Knollen und eventuell auch Kristalle von Troilit. An der Oberfläche des Meteoriten bildeten sich durch Einwirkung der Luftfeuchtigkeit kleine Tröpfchen und es blätterte oxidiertes Material ab. An den geschliffenen Bereichen zeigte sich dieser Effekt jedoch nur gelegentlich.

A. BREZINA (1885) klassifizierte Nenntmannsdorf als einen Hexaedriten. E. COHEN (1905) stellte dagegen fest, dass es deutliche Abweichungen zu den Hexaedriten gibt und ordnet ihn als Ni-armen Ataxiten ein.

V.F. BUCHWALD (1975) stellte fest, dass der Meteorit Nenntmannsdorf Kamacit-Körner von 0,5 - 5 cm Abmessung aufweist. Schreibersit von 10 - 500 Mikrometern Größe findet sich entlang der Korngrenzen. Gelegentlich finden sich Relikte von Widmanstättenschen Figuren. 5 - 10 mm breite Lamellen werden durch Taenit und Schreibersit separiert. Das seltene Chromnitrid Carlsbergit, CrN, findet sich spärlich in 10 x 1 Mikrometer messenden Plättchen. BUCHWALD ordnet den Meteoriten als einen gröbsten Oktaedriten ein und stellt ihn in die Klasse IIB (heute IIAB).



    Sikhote Alin.  Eisenmeteorit IIAB.


Sikhote Alin. Komplettes Individuum. Größe 13 x 9 x 9 cm, Gewicht 3352 g. Sammlung
und Foto Thomas Witzke.
Meteorit Sikhote Alin.
Eisenmeteorit, IIAB Gruppe.

Fall 12. Februar 1947. Sikhote Alin, etwa 500 km nördlich von Wladiwostok, Primorskiy Kray, Russland. TKW mindestens 30 t.

Am 12. Februar 1947 fiel bei Sikhote Alin, etwa 500 km nördlich von Wladiwostok, ein großer Eisenmeteorit. Das Ereignis wurde von zahlreichen Augenzeugen beobachtet. Der ursprüngliche Körper, der in die Erdatmosphäre eintrat, wird auf eine Masse von etwa 200 Tonnen und einen Durchmesser von rund 4 Metern geschätzt. Der Körper explodierte in der Atmosphäre und erzeugte eine Schauer von mehreren Tausend Exemplaren, die in einem Streufeld von etwa 12 km Länge und 4 km Breite niedergingen. Die größten Exemplare erzeugten dabei Krater. Zahlreiche Stücke zerscherten beim Aufprall auf dem gefrorenen Boden. Diese Exemplare mit z.T. sehr deutlichen Scherflächen werden als Schrapnelle bezeichnet.
Der Meteorit von Sikhote Alin wird als grober Oktaedrit der IIAB-Gruppe klassifiziert. Er enthält 93 % Eisen, 5,9 % Nickel, 0,42 % Cobalt, 0,46 % Phosphor, 0,28 % Schwefel, 161 ppm Germanium, 52 ppm Gallium und 0,03 ppm Iridium.
 
Sikhote Alin. Komplettes Individuum. Größe 7,5 x 5 x 2,5 cm, Gewicht 196,2 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
 
Sikhote Alin. Schrapnell. Größe 17 x 13 x 3,5 cm, Gewicht 1,94 kg. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
 
Sikhote Alin. Schrapnell. Das Exemplar zeigt einen Kamacit-Kristall. Größe 5,2 cm, Gewicht 133 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
 
Sichote Alin. Komplettes Individuum, orientiert, mit Regmaglypten. Größe 33 x 24 mm, Gewicht 35,35 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
 
Seitenansicht des Exemplars. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
 
Sichote Alin. Komplettes Individuum mit Regmaglypten. Größe 32 x 18 mm, Gewicht 23,78 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
 
Rückansicht des Exemplars. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    Agoudal.  Eisenmeteorit IIAB.

Meteorit Agoudal ("Imilchil").
Eisenmeteorit, IIAB Gruppe.

Fund 2000, die meisten Exemplare wurden in der 2. Hälfte 2012 bis 2013 gefunden. Imilchil, Marokko. TKW > 100 kg.

Bei dem Meteoriten Agoudal, auch bekannt unter dem Namen "Imilchil", handelt es sich um einen gröbsten Oktaedriten. Er wird aus großen Kamazit-Körnern aufgebaut, die oft deutliche Neumann-Linien zeigen. Auffallend sind bis mehrere cm große Schreibersit-Kristalle, die hier auf dem Foto dunkel erscheinen. Der Meteorit enthält Ni 5.5%, Co 4.1 mg/g, Ga 58 µg/g, Ir < 0.04 µg/g und Au ~ 1 µg/g.

Agoudal. Endstück. Größe 23 x 23 mm, Gewicht 14,2 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



      Eisenmeteorite IIC



    Unter-Mässing.  Eisenmeteorit, IIC.


Unter-Mässing. Teilscheibe. Größe 16 x 11 mm. Gewiccht 4 g. Ex Collection Rainer
Bartoschewitz. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Meteorit Unter-Mässing.
Eisenmeteorit, IIC.

Fund Mai 1920. Untermässing, auf dem Katzenberg am Abzweig der Straßen nach Röckenhofen und Österberg, etwa 2 km östlich von Untermässing, Greding, Bayern (ungefähre Position 49.09243°N und 11.33333°E). TKW 79,5 kg.

Im Mai 1920 stießen die Waldarbeiter Johann und Georg Schäfer beim Roden von Wurzelstöcken auf einen Metallklumpen und legten ihn frei. Der Klumpen wurde von den Wurzeln einer Fichte in etwa 1,5 Metern Tiefe umwachsen. Er steckte in Richtung seiner größten Ausdehnung (45 cm) senkrecht im Boden, die maximale Breite betrug 32 cm. An einem der folgenden Tage wurde der Metallklumpen mit Hilfe von einem Ochsenfuhrwerk von Alois Wittmann ins Dorf geschafft, wobei jedoch auf halber Strecke die Achse brach. Die beiden Brüder schafften den Metallklumpen dann mit Hilfe einer Schubkarre ins Dorf. Von einem Schrotthändler aus Thalmässing wurde ihnen 2 Mark für den Fund geboten. Bevor es jedoch zu einem Verkauf kam, identifizierte der Sammler und Natur- und Heimatforscher Franz Kerl, der Mitglied der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg (NHG) war, das Exemplar als Eisenmeteoriten und konnte ihn so vor dem Einschmelzen bewahren. Franz Kerl legte das fast 80 kg schwere Exemplar noch im Mai 1920 im Geschäftszimmer der NHG vor. Die Identifizierung als Meteorit wurde hier bestätigt. Die Brüder Schäfer erhielten schließlich von der NHG 150 Mark Entlohnung und 20 Mark für den Transport, für die Vermittlung erhielt Kerl ebenfalls 150 Mark (HESS, 1920; Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2014).

Der Meteorit wies eine schwarzbraune Oberfläche auf. In Vertiefungen saßen teilweise Gesteinsfragmente (Kalkstückchen vom Weißjura) und etwas Rost. Nach dem Ankauf wurde ein Stück von etwa 1 kg abgeschnitten, poliert und geätzt. Dabei zeigten sich schöne Widmannstättensche Figuren. Schnittspäne wurden für eine chemische Analyse durch Dr. Kolb von der Landesgewerbeanstalt verwendet, der 89,07 % Fe und 9,93 % Ni fand.
Dichtemessungen lieferten für die Außenbereiche des Meteoriten mit 7,598 g/cm3 einen geringeren Wert als für die Gesammtmasse von 7,890, so dass vermutet wurde, dass Material im Inneren deutlich dichter wäre. Da man das Stück nicht komplett zersägen wollte, wurde ein Loch von 10 cm Tiefe und 1 cm Durchmesser in den Meteoriten gebohrt. Die chemische Analyse der Späne aus dem inneren und äußeren Bereich ergab jedoch einheitlich einen Ni-Gehalt um 10 %. Bei magnetischen Untersuchungen konnte in dem Meteoriten keine feste Polarität festgestellt werden. Für die über dem Meteoriten gewachsene Fichte konnte ein Alter von 120 Jahren bestimmt werden, so dass der Fall früher erfolgt sein muss (HESS, 1920).

Der Meteorit wurde im Nürnberger Museum aufbewahrt. Das Museum wurde im II. Weltkrieg zerstört und der Meteorit im Keller verschüttet. Drei Jahre nach Kriegsende konnte er wiederentdeckt und geborgen werden. Die Hauptmasse von etwa 78 kg ist heute im Naturhistorischen Museum in Nürnberg ausgestellt. Ein Stück von 130 Gramm befindet sich im Riekrater-Museum in Nördlingen sowie zwei weitere Stücke in der Mineralogischen Staatssammlung in München, darunter eines von 188 Gramm, das 1951 dem Mineralogen Hugo Strunz für seine Mithilfe bei der Bergung des Meteoriten aus dem Kriegsschutt überreicht wurde (Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2014).

Eine Untersuchung der durch kosmische Strahlung erzeugten seltenen Gas-Nuklide und der Isotopenzusammensetzung von Kalium ergab für den Meteoriten Unter-Mässing eine ungewöhnlich hohe Konzentration der Nuklide, die auf ein sehr hohes Bestrahlungsalter von 1,4 Milliarden Jahren hinweisen. Die Masse vor Eintritt in die Erdatmosphäre hat bei rund 2000 kg gelegen (VOSHAGE et al., 1980).

Als Fundstelle für den Meteoriten gibt HESS (1920) ans "eine halbe Stunde östl. von Unter-Mässing in 49° 5' 25'' nördl. Breite, 11° 20' 0'' östl. Länge und 540 m Höhe an der Abzweigstelle der Straßen nach Röckenhofen und Oesterberg", das entspricht 49.09243°N und 11.33333°E. Mit diesen Koordinaten liegt die Fundstelle allerdings nicht mehr am Katzenberg, auch die Höhenangabe scheint nicht richtig zu passen. Möglicherweise lag die Fundstelle etwas weiter westlich als die Koordinaten angeben.




      Eisenmeteorite IID



    Elbogen.  Eisenmeteorit IID.


Elbogen. Teilscheibe. Größe 19 x 12 mm, Gewicht 1,922 g. Sammlung und Foto Thomas
Witzke.
Meteorit Elbogen (Teilscheibe).
Eisenmeteorit, IID Gruppe, Oktaedrit.

Fund um 1400. Loket (ehemals Elbogen), 10 km WSW von Karlovy Vary, Tschechische Republik. TKW etwa 107 kg.

In Elbogen, heute Loket, wurde über Jahrhunderte eine Eisenmasse von Pferdekopf-Form von 191 Pfund (wahrscheinlich Wiener Pfund, = 107 kg) aufbewahrt, bis sie 1812 von Prof. K.A. Neumann aus Prag als Meteorit erkannt wurde. Durch Kriege und Feuer wurden jedoch die Archive von Elbogen zerstört, so dass nicht viele Nachrichten zu dem Exemplar überliefert sind. Vermutet wird, dass die Masse beim Pflügen gefunden wurde. Die Überlieferung setzt die Eisenmasse mit dem Burggrafen von Elbogen auf der Burg Elbogen in Verbindung. Der Fund muss dann zwischen 1350 und 1430 erfolgt sein, da es nur dann einen Burggrafen gab. Der Legende nach wurde der verhasste Burggraf in das Eisen verwandelt, das deshalb auch "der verwünschte Burggraf" genannt wurde (Neumann, 1812, Buchwald, 1975).
Die Eisenmasse wurde im Keller der Burg aufbewahrt. 1742 warf die französische Besatzungsarmee die Masse in einen 40 Meter tiefen Brunnen in der Burg. 1776, als die Quelle austrocknete, konnte die Masse wieder geborgen werden. Danach wurde sie im Keller des Rathauses aufbewahrt, wo Neumann sie fand. Er vermutete, dass es sich eventuell um eine meteorische Eisenmasse handelt, und konnte an etwas mühsam abgesägtem Material eine Untersuchung durchführen, bei der er Eisen und Nickel fand (Neumann, 1812). Neumann teilte seine Entdeckung Chladni mit,
der die Messe schließlich auch selbst besichtigte. Chladni teilte Neumann mit, dass das Eisen die Struktur aufweist, die Widmanstätten an einigen Eisenmeteoriten nach Polieren und Anätzen beobachtet hatte. Neumann machte daraufhin offenbar eigene Versuche, denn er schreibt, dass diese Strukturen in unterschiedlichen Richtungen verschieden aussehen. Eine weitere chemische Analyse wurde von Martin Heinrich Klaproth durchgeführt, der ebenfalls Nickel fand.
1812 wurde die Masse geteilt, 140 oder 150 Pfund gingen nach Wien, während 40 Pfund in Elbogen verblieben. Später wurde noch weiteres Material entfernt, die heute im Rathaus Loket (Elbogen) aufbewahrte Masse wiegt noch 14,3 kg (Buchwald, 1975).

Der Meteorit weist eine mittlere Widmannstätten-Struktur mit etwa 0,75 mm weiten Lamellen auf. Neumann-Linien sind nicht vorhanden. Plessit-Felder nehmen etwa 30 % der Fläche ein. Schreibersit bildet tafelige, skelettförmige Kristalle bis 10 mm Größe. Troilit bildet 1 - 5 mm große Körner. Spärlich findet sich Chromit in kleinen Kristallen in Troilit und Schreibersit. An dem Material des Meteoriten wurden wahrscheinlich Schmiedeversuche angestellt, da er erhitzt wurde. Elbogen enthält 10,25 % Ni, 0,64 % Co, 0,22 % P, 74,5 ppm Ga, 87,0 ppm Ge und 14 ppm Ir (Buchwald, 1975).



    Nothing.  Eisenmeteorit IID.

Meteorit Nothing.
Eisenmeteorit, IID Gruppe, Oktaedrit.

Fund 2010. 4,5 km nördlich von Nothing, Mohave Desert, Mohave Co., Arizona, USA (34°31'13.93"N, 113°20'8.93"W). TKW 3,7 kg.

Der Meteorit wurde von einem Prospektor auf der Suche nach Gold in 60 cm Tiefe im Boden entdeckt. Er weist gut ausgebildete Widmannstättensche Figuren auf. Der Meteorit enthält 6,63 mg/g Co, 101,3 mg/g Ni, 295 ppm Cu, 75,3 ppm Ga, 4,92 ppm As, 16,1 ppm Ir, 20,2 ppm Pt und 0,628 ppm Au.

Nothing. Teilscheibe. Größe 23 x 6 mm, Gewicht 1,74 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    NWA 10224.  Eisenmeteorit IID.

Meteorit NWA 10224 (Vollscheibe).
Eisenmeteorit, IID Gruppe, Oktaedrit.

Fund 2014. Marokko. TKW 317,8 g (2 Exemplare, 288,3 + 29,3 g).

Bei NWA 10224 handelt es sich um einen mittleren Oktaedriten mit ausgeprägten Widmannstättenschen Figuren. Der Meteorit enthält 6,0 % Co, 9,7 % Ni, 240 ppm Cu, 70,0 ppm Ga, 3,5 ppm As, 14,9 ppm Ir, 18,9 ppm Pt, 15,0 ppm Ru, 2,6 ppm W, 1,45 ppm Re und 2,5 ppm Pd. Der Verwitterungsgrad ist niedrig.

NWA 10224. Größe 35 x 20 mm, Gewicht 8,34 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



      Eisenmeteorite IIE



    NWA 6716.  Eisenmeteorit IIE.

Meteorit NWA 6716 (Vollscheibe).
Eisenmeteorit, IIE Gruppe, Oktaedrit.

Fund 2010. Nordwest-Afrika. TKW 293 g.

Bei dem Meteoriten NWA 6716 handelt es sich um einen rekristallisierten groben Oktaedriten. Bemerkenswert ist, dass er eine zweifache Rekristallisation zeigt. Durch ein thermisches Ereignis auf dem Mutterkörper hat sich eine polykristalline Textur aus Kamacit-Körnern gebildet. Häufig sind Triple-juncion-Strukturen zu erkennen. Die Widmanstättenschen Figuren sind weitgehend überprägt, nur Relikte sind noch vorhanden. In den Randbereichen ist diese erste Rekristallisationsstruktur durch eine zweite überprägt. Die Kamacitkörner sind hier deutlich feinkörniger. Diese Struktur ist auf die Erhitzung beim Flug durch die Atmosphäre der Erde zurück zu führen. Der Meteorit enthält Ni 7,77, Co 0,422 %, Cu 147, Ca 24,3, Ge 62, Ir 4,4 und Au 0,97 ppm.

NWA 1716. Größe 37 x 13 mm, Gewicht 4,55 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    Seymchan.  Eisenmeteorit IIE / Pallasit.

Meteorit Seymchan.
Eisenmeteorit IIE Oktaedrit / Steineisenmeteorit Pallasit Hauptgruppe.

Fund ab 1967. Unbenannter Nebenfluss des Yasachnaya (der in den Flusses Kolyma einmündet), 150 km NW von Seymchan, Magadan, Sibirien, Russland. TKW über 2 t.

Die Scheibe zeigt Widmannstättensche Figuren mit deutlichen Deformationserscheinungen. Zu erkennen ist auch ein großer, länglicher Troilit-Einschluss.

Seymchan. Vollscheibe. Größe 167 x 85 mm, Gewicht 176 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
 
Widmannstättensche Figuren, Ni-armes Eisen (Kamacit) in breiten Bändern und Taenit in dünneren, dunkleren Bändern sowie Bereiche mit perthitischen Entmischungen von Kamacit und Taenit. Das Exemplar zeigt Deformationsstrukturen, wie an leichten Verbiegungen oder Knicken in den Bändern zu sehen ist (siehe folgendes Detailbild).

Seymchan. Teilscheibe. Größe 6,5 x 4,0 cm, Gewicht 58 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.
 
Detail. Widmannstättensche Figuren, Ni-armes Eisen (Kamacit) in breiten Bändern und Taenit in dünneren, dunkleren Bändern sowie Bereiche mit perthitischen Entmischungen von Kamacit und Taenit. Der Meteorit zeigt deutliche Deformationsstrukturen. Bildbreite 4 cm.



      Eisenmeteorite IIG



    Guanaco.  Eisenmeteorit IIG.

Meteorit Guanaco.
Eisenmeteorit, IIG Gruppe, Hexaedrit.

Fund 2000. El Guanaco, bei Aguas Verde, Atacama, Chile. TKW 13,1 kg.

Die IIG-Gruppe weist den niedrigsten Nickel- und höchsten Phosphor-Gehalt aller Gruppen an Eisenmeteoriten auf. Im Guanaco-Meteoriten wurden gefunden: Ni 4,43 %, Co 0,508 %, Ga 44,7 ppm, Ge 71 ppm, As 14,6 ppm, Ir 0,013 ppm, Au 1,19 ppm. Guanaco weist dünne Schreibersit-Bänder (hier eines im linken Teil auf dem Foto) in einer Kamacit-Matrix auf. Die IIG-Meteorite werden als Produkt einer fraktionellen Kristallisation mit Anreicherung einer P-reichen Schmelze gedeutet. Die Kristallisation könnte in isolierten Kammern nach Erstarrung der IIAB-Schmelze in tieferen Kern-Bereichen erfolgt sein (Wason & Chao, 2009).


Guanaco. Teilscheib. Größe 15 x 7 mm, Gewicht 0,186 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.






Literatur siehe Hauptseite Meteorite
weitere Literatur:
BREZINA, A. (1885): Die Meteoritensammlung des k. k. mineralogischen Hofkabinetes in Wien am 1. Mai 1885.- Jahrbuch der geologischen Reichsanstalt Wien 35, 150-276
BUCHWALD, V.F. (1975): Handbook of Iron Meteorites: Their History, Distribution, Composition and Structure (3 Vol.).- Univ. of California Press, Berkley, 1418 p.
COHEN, E. (1905): Meteoritenkunde. III.- Schweizebart'sche Verlagshandlung, Stuttgart, 419 p.
GEINITZ, F.E. (1876): Das Nenntmannsdorfer Meteoreisen im Dresdener Museum.- Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Palaeontologie, Jahrgang 1876, 608-612
GEINITZ, H.B. (1872): Dresdner Journal No. 303, 31. Dezember 1872 (Referiert in: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Palaeontologie, Jahrgang 1873, p. 221 )
GEINITZ, H.B. (1873): (Über das Meteoreisen von Nenntmannsdorf).- Sitzungsberichte der naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS in Dresden, Jahrgang 1873 (gedruckt 1874), p. 4
NEUMANN, K.A. (1812): Der verwünschte Burggraf in Ellbogen in Böhmen, ein Meteorolit.- Annalen der Physik 42 (Neue Folge 12), 197-209
WASSON, J.T. & CHAO, W.H. (2009): The IIG iron meteorites: Probable formation in the IIAB core.- Geochimica et Cosmochimica Acta 73, 4879-4890


© Thomas Witzke / Stollentroll


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