HOME
METEORITE
CHONDRITE
ACHONDRITE
EISENMETEORITE
STEINEISEN



           Eisenmeteorite   -   Fotos und Klassifikation


                              Eisenmeteorite III


EISENMETEORITE

Eisen I

Eisen II

Eisen III

Eisen IV

Eisen ungruppiert
Eisenmeteorite bestehen im Allgemeinen zu über 90 % aus Nickel-Eisen-Legierungen, wobei es jedoch auch einige Ausnahmen von silikathaltigen Eisenmeteoriten mit deutlich geringeren Metallgehalten gibt. Hauptphasen in Eisenmeteoriten sind Nickel-haltiges alpha-Eisen, das als Kamacit bezeichnet wird (kubisch, Raumgruppe Im3m, Ni-Gehalt 4 – 7,5 %), und Taenit, gamma-(Fe,Ni) mit Ni-Gehalten von üblicherweise 20 – 45 % (kubisch, Raumgruppe Fm3m). Gelegentlich ist auch Tetrataenit, FeNi (tetragonal, Raumgruppe P4/mmm) vorhanden. Neben Einschlüssen von Silikaten treten in Eisenmeteoriten auch Graphit, Troilit, Cohenit, Schreibersit, Nickelphosphid, Diamant, Lonsdaleit und einige weitere Minerale auf.

Eisenmeteorite gehören zu den differenzierten Meteoriten, d.h. sie entstammen Asteroiden, die so stark erhitzt wurden, dass es zu Schmelzprozessen mit anschließender Trennung von Metall- und Silikatphase kam. Dabei bildete sich ein metallischen Kern und ein silikatischer Mantel in dem Körper. Der Asteroid muss groß genug gewesen sein, um eine derartige Aufschmelzung und Differenzierung zu ermöglichen. Die Abkühlungsgeschwindigkeiten variieren je nach Größe und Zusammensetzung und verlaufen auch nicht linear mit der Zeit.

Die Klassifikation der Eisenmeteorite erfolgt nach ihrer Zusammensetzung, dabei werden die Gehalte an Gallium, Germanium, Iridium und Gold berücksichtigt (siehe Tabelle unten). Höhere römische Ziffern bedeuten hier sinkende Spurenelementgehalte. Bei Meteoriten einer Klasse ist eine Herkunft von einem Mutterkörper bzw. eine Bildung unter ähnlichen Bedingungen anzunehmen. Etwa 15 % der Eisenmeteoriten lässt sich keiner der bekannten Klassen zuordnen. Sie werden als ungruppiert geführt. Es wird geschätzt, dass die bisher gefundenen Eisenmeteorite über 60 verschiedene Mutterkörper repräsentieren. Durch spätere Kollisionen oder Impakte wurden diese Körper dann zerstört.

Eine alte Klassifizierung teilt die Eisenmeteorite nach ihrer Struktur in Hexaedrite, Oktaedrite und Ataxite ein.
Hexaedrite bestehen im Wesentlichen aus Kamacit, der Nickel-Gehalt liegt dementsprechend unter 7,5 %. Widmanstättensche Figuren sind nicht vorhanden, einige Hexaedrite weisen jedoch feine, parallele Linien auf, die sogenannten Neumann-Linien. Diese Linien stellen Schock-induzierte Zwillingslamellen dar, die das Resultat von Impakten sind.
Oktaedrite sind die häufigsten Eisenmeteorite. Verwachsungen von Kamacit und Taenit bilden hier die Widmannstättenschen Figuren. Die räumliche Anordnung dieser Verwachsungen folgt den Flächen eines Oktaeders. Die Oktaedrite wurden früher näher nach der Breite der Kamacit-Bänder unterteilt. Widmanstättensche Figuren bilden sich bei einem Ni-Gehalt zwischen etwa 5 - 15 % und Abkühlungsraten von etwa 1 - 200ºC pro Millionen Jahre im Bereich zwischen 700 und 400ºC. Neben Abkühlungsgeschwindigkeit und Ni-Gehalt hat auch der Phosphor-Gehalt einen Einfluss auf die Nickel-Diffusion im Metall und damit auf Ausbildung der Widmanstättenschen Figuren. Auch in Oktaedriten können die schon erwähnten Neumann-Linien auftreten.
Ataxite bestehen hauptsächlich aus Taenit und zeigen im Anschliff nach dem Ätzen keine Widmanstättenschen Figuren. Nur in Form von mikroskopischen Lamellen oder Spindeln kann Kamacit sporadisch vorhanden sein. Der Ni-Gehalt der Ataxite liegt bei über 15 %.




      Eisenmeteorite IIIAB



    Henbury.  Eisenmeteorit, IIIAB Gruppe.

Meteorit Henbury.
Eisenmeteorit, IIIAB Oktaedrit.

Fund ab 1931. Finke River, Northern Territory, Australien. TKW ca. 2 t.


Henbury. Vollscheibe. Größe 58 x 38 mm, Gewicht 49,24 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    Kenton County.  Eisenmeteorit, IIIAB Gruppe.

Meteorit Kenton County.
Eisenmeteorit, IIIAB Oktaedrit.

Kenton County, Kentucky, USA.

Blass rosa-graues Korn von Carlsbergit (ein seltenes Chrom-Nitrid) in Kamacit. Anschliff für Mikrosonden-Analyse.


Kenton County. Kleiner Ausschnitt. Bildbreite 0,08 mm. Sammlung und Foto Thomas Witzke.



    Treysa.  Eisenmeteorit, IIIAB anomal.


Treysa. Teilscheibe, Größe 26 x 16 mm, Gewicht 16,02 g. Ex Sammlung Max-Planck-
Institut Mainz, ex Sammlung Matthias Kurz, es Sammlung Rainer Bartoschewitz.
Sammlung und Foto Thomas Witzke.
Meteorit Treysa.
Eisenmeteorit, IIIAB anomal.

Fall 03.04.1916. Waldstück in Rommershausen bei Treysa, Schwalmstedt, Hessen (50.94442°N, 9.15947°E). TKW 63,28 kg

Am 3. April 1916 um 15.25 Uhr wurde von zahlreichen Augenzeugen in Hessen eine Feuerkugel wahrgenommen. Alfred WEGENER sammelte die Beobachtungen und errechnete daraus die Richtung und Bahnneigung, die Höhe des Erlöschens und den vermuteten Fallort. Seine Ergebnisse veröffentlichte er 1917 in einer Schrift. WEGENER stellte fest, dass der Meteorit während des Falls nicht zerschellt ist, sondern die Helligkeit langsam abnahm und er auch noch nach Erlöschen als schwarzer Körper beobachtet wurde. Er ging deshalb davon aus, dass der Meteorit ohne sich zu zerteilen als ganzer Körper auf der Erdoberfläche eingeschlagen ist. Die Höhe des Erlöschens berechnete er auf 16,4 km. Als vermuteten Einschlagsort berechnete er einen Punkt im Frielendorfer Wald, nördöstlich von Schwalmstedt, etwa 7 km östlich der Projektion des Hemmungspunktes (der berechnete Hemmungspunkt lag bei etwa 50.94898°N, 9.16609°E). WEGENER ging davon aus, dass es sich um einen Eisenmeteoriten handelt, der bis 1,5 Meter tief in den Boden eingedrungen ist.
Ein Einschlagsloch konnte jedoch während der Ernte im Herbst 1916 nicht gefunden werden. Danach wurde vermutet, dass er in den Wald eingeschlagen ist. Deshalb wurde im Januar 1917 ein Preis von 300 Mark durch die Gesellschaft zur Förderung der gesamten Naturwissenschaften zu Marburg ausgesetzt und ein Aufruf gedruckt, der an die Oberförster und Förster des vermuteten Fallgebietes verteilt wurde.
WEGENER (1918) berichtet, dass sich ein Förster meldete, der das Einschlagsloch bereits seit dem Sommer 1916 kannte. Bei einer Nachgrabung wurde ein 63 kg schwerer Eisenmeteorit gefunden. Der Einschlagskanal hatte einen Winkel von 60° gegen den Horizont. Der Fundort lag etwa 800 Meter südsüdwestlich von der Projektion des berechneten Hemmungspunktes und damit fast 8 km vom erwarteten Fundort entfernt. In der Dorfchronik von Rommershausen findet sich nach Zeugenaussagen ein Bericht über die Fundumstände, der von Rainer GÖBEL (2016) vorgestellt wurde. Danach hat ein Holzhauer die abgeschlagenen und zum Teil noch an einer Buche hängenden Äste gesehen und den Förster Huppmann darauf aufmerksam gemacht, dass hier wohl ein Blitz eingeschlagen habe. Als der Förster das Loch sah, sagte er nichts, sondern dachte an den Meteoriten und die ausgesetzte Belohnung. Nachdem die Luft rein war, ging der Förster wieder zur Einschlagstelle und stieß seinen Stock solange in das Loch, bis es nach Metall klang. Anderntags kam er mit einem Spaten bewaffnet zurück und grub den Meteoriten aus. Vor dem Wald waren russische Kriegsgefangene mit Saatzubereitung beschäftigt, diese nahmen den Meteoriten auf einem Wagen mit ins Dorf. Dort versuchte der Wagner Peter Falk mit einem Meißel ein Stück abzuschlagen, was aber nicht gelang. Wie die Meldung nach Marburg erfolgte, was nicht mehr festzustellen. Der Fund erfolgte am 6.3.1917. Die 'Ziegenhainer Zeitung' vom 13. März 1917 berichtet, dass am folgenden Tag eine Kommission von Marburg kommt, um den Meteoriten abzuholen.

WEGENER diskutiert in einer Veröffentlichung von 1918, wie es zu der Abweichung zu seiner früheren Berechnung kommen konnte. Zum Ersten hatte er eine Verschwenkung nach Osten in der letzten Flugphase angenommen. Diese Annahme beruht auf Zeugenaussagen, die die Rauchspur wohl erst nach einer leichten Verdriftung durch einen Westwind gesehen hatten. Zum Zweiten geht er davon aus, dass der Hemmungspunkt nach den Zeugenaussagen auf einer optischen Täuschung beruht, nach der er zu spät, weiter in der Flugbahn, wahrgenommen wird.
Eine Neuberechnung durch Karl WIMMER (2016), unter Einbeziehung des nun bekannten Fundortes, konnte einige Angaben von WEGENER bestätigen, andere präzisieren oder korrigieren. Danach weist die Trajektorie eine Neigung von 57,5° +/- 5°, die Anfangshöhe der Leuchtspur wurde mit 90 km postuliert, die Endhöhe zu 3 - 6 km berechnet (und damit sehr viel niedriger als ursprünglich angenommen), die Länge der Leuchtspur liegt bei etwa 100 km, die Leuchtdauer bei 6,5 +/- 1 Sekunde, der Dunkelflug bei 5 +/- 2 Sekunden. Die Anfangsgeschwindigkeit dürfte 16 - 20 km/s betragen haben.

Der Meteorit Treysa wurde als IIIAB klassifiziert, da er typische Merkmale und Chemiedieser Gruppe aufweist, jedoch gibt es auch einige Abweichungen. Im Ir-Au-Diagramm liegt Treysa jedoch außerhalb des Feldes, wie auch die Meteoriten Delegate und Yarovoye. Aus diesem Grund werden sie häufig als anomale Vertreter der Gruppe eingeordnet. Die Zusammensetzung lässt sich erklären durch eine Vermischung früher Kristallisate aus dem Metallmagma und deren erneute Aufschmelzung mit späten Restschmelzen (nach etwa 80% Kristallisation). Die Schmelze muss anschließend schnell abgekühlt sein um fraktionierte Kristallisation zu verhindern. Ursache für die Vermischung dürfte ein Impakt sein. Es ist unwahrscheinlich, dass die anomalen Vertreter der IIIAB-Gruppe von einem separaten Mutterkörper stammen (WASSON, 2016).



      Eisenmeteorite IIIF



    Cerro del Inca.  Eisenmeteorit, IIIF Gruppe.

Meteorit Cerro del Inca.
Eisenmeteorit, IIIF Oktaedrit.

Fund 1997. Cerro del Inca, Antofagasta, Chile. TKW 20,6 kg.

Der Meteorit wurde in der Atacama-Wüste von Soldaten gefunden, die ein Minenfeld mit Metalldetektor absuchten. Der Meteorit weist Kamacit-Bänder von 0,5 mm Breite auf. Eine chemische Analyse ergab 7,69 % Ni, 0,379 % Co, 6,17 ppm Ga, 4,34 ppm As, 3,35 ppm Ir und 0,54 ppm Au.


Cerro del Inca. Teilscheibe. Größe 20 x 17 mm, Gewicht 7,6 g. Sammlung und Foto Thomas Witzke.






© Thomas Witzke / Stollentroll


HOME
METEORITE
CHONDRITE
ACHONDRITE
EISENMETEORITE
STEINEISEN